Viele Vorschriften, viel Raffinesse

Haus Z in Passau Grubweg mit klaren Formen und Lärchenholzfassade

Viel Holz und große Fenster: Haus Z wirkt trotz strenger Formen sympathisch.

Ich bin unglaublich neugierig. Darum habe ich mich sehr gefreut, dass bei den Architektouren der bayerischen Architektenkammer wieder private Einblicke gewährt wurden. In fremde Wohnhäuser kann man ja sonst nicht so ohne Weiteres einen Blick werfen. Ich war schon fast ein bisschen aufgeregt, als ich mich zu Haus Z im Passauer Stadtteil Grubweg aufgemacht habe, das bei den Architektouren mein erstes Ziel war – und das schönste an diesem Wochenende. Der nette Bauherr Z und der junge Architekt Christopher Schmid haben diese Architektouren-Station zu einem eindrucksvollen Erlebnis gemacht.

Am meisten Eindruck hat aber natürlich die Architektur hinterlassen: Denn ich liebe zum einen klare Formen, zum anderen Holz. Und Haus Z hat beides. Von außen ist es sehr reduziert, hat nur gerade Linien und wirkt durch die Lärchenholz-Fassade und die großen Fenster dennoch überhaupt nicht kühl. Und dann der Standort: Kein ebener Standard-Rechteck-Bauplatz, sondern ein Hang. Wer an solchen Stellen mit Architekt plant, bekommt eigentlich immer etwas Einmaliges – so auch hier.

Bis zur Eingangstür sind einige Stufen zu bewältigen – aber anders ging es nicht: Denn das Haus Z steht genau auf dem Platz eines alten Wohnhauses – im Außenbereich darf man Häuser oft nur ersetzen, nicht aber frei neu bauen. Deshalb hatten sich Architekt Christopher Schmid und der Bauherr an jede Menge Regeln zu halten. Die sie aber genutzt haben, um das Haus umso raffinierter zu konstruieren. An das alte Haus erinnert nichts mehr.

Zwei Baukörper sind es, die den Wohnraum bilden. Drinnen geht es ebenfalls recht minimalistisch zu, Betonboden, viel Weiß an den Wänden, klare Linien, kein Schnickschnack. Durch die großen Fenster wirkt alles hell, freundlich und gibt schöne Blicke ins  Freie preis – in den eigenen Garten, im Winter auch bis runter an die Donau. Dass man solche Ausblicke nicht mit Rollläden abtrennen darf, das sieht auch der Bauherr so – und hat darauf verzichtet.

Von innen ist der Giebel oben abgerundet.

Nettes Detail: Innen ist die Giebelform sanft gerundet.

155 Quadratmeter hat die Familie Z zum Wohnen. Ich hätte mich bei der Quadratmeterzahl komplett verschätzt, weil alles viel größer wirkt. Aber hier macht sich die kluge Planung bezahlt: Wer keinen Platz an Flure und ungenutzte Ecken und Winkel verwendet, kann großzügig wohnen.

Dass Bauherr und Architekt wohl gerne tüfteln und sich mit technischen Details spielen, haben die beiden im Gespräch nicht nur einmal angedeutet. So ist alleine die Regenrinne ein wahres Wunderwerk – sie verläuft nämlich im Dach und hinter der Holzfassade. Denn Dachüberstand gibt es keinen – auch, um der Lärchenfassade zu ermöglichen, gleichmäßig zu verwittern.

Raffiniert, energiesparend, wunderschön: Haus Z hat mich sehr beeindruckt, weil man an diesem Beispiel sehr gut sehen kann, was ein Architekt bewirken kann. Ein Architektenhaus muss nicht riesig und ungemütlich sein, sondern es ist im besten Fall ein Haus, in dem die Bauherren genau so wohnen, wie sie es sich wünschen. Und dass der Bauherr gerne in seinem Haus wohnt und seine Begeisterung über das gelungene Projekt gerne teilt, das hat man bei den Architektouren deutlich gemerkt. Und ich habe mich gefreut, dass ich einen Blick in das ungeWOHNliche Haus werfen durfte. Vielen Dank, Familie Z!

 

Nicht verpassen: Architektouren 2013

Danke, liebe Architektenkammer, für diese wunderbare Veranstaltung! Seit vielen Jahren bin ich großer Fan der Architektouren, 2010 war sogar mein eigenes Haus dabei. Architektouren, das heißt: Jeder Interessierte kann an einem Wochenende im Juni von der Architektenkammer ausgewählte Projekte anschauen, mit dem Architekten und den Bauherren sprechen, sich Architektur erklären lassen, sehen, was möglich ist, – und ungeniert in fremde Wohnungen schauen. In Bayern ist es dieses Wochenende, am 29. und 30. Juni, wieder so weit – und ich bin auf jeden Fall dabei.

Die Architektouren werden in der Zeitung angekündigt.

Die Qual der Wahl: die Projekte 2013.

Ich plane, das Wohngebäude Klosterwinkel 6 an der Innpromenade in Passau anzuschauen. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde umgebaut und saniert, zu besichtigen ist es am Samstag von 14 bis 15 Uhr. Auch die Veste Niederhaus in Passau steht auf meinem Programm. In der Burg wurden dreizehn Wohnungen geschaffen, vom Rittersaal bis zur Turmstube. Besichtigungen sind am Samstag von 10.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr möglich. Wenn ich es noch schaffe, möchte ich mir auch das Haus Z in der Walchergasse 5 in Passau anschauen. Auf den Fotos sieht dieses Einfamilienhaus sehr ungeWOHNlich aus. Termine im Rahmen der Architektouren sind Samstag von 10 bis 12 Uhr und Sonntag von 15 bis 17 Uhr angesetzt. Auch einen Besuch wert: das Bürogebäude der Mymuesli GmbH in Sailerwöhr 16 in Passau. Dort wird man mich am Samstag zwischen 13 und 16 Uhr bei den Besichtigungsterminen finden.

Sämtliche Projekte in Bayern, die heuer bei den Architektouren dabei sind, sind samt Daten und Besichtigungsterminen zu finden unter architektouren.byak.de/byak.html.

Wie mir die Architektouren-Projekte 2013 gefallen haben, wird natürlich dann in Kürze auch Thema hier im Blog sein.

Das „Haus Polz“

Ich wohne seit 2008 im Landkreis Passau in einem Haus, das der Architekt Florian Fischer aus München geplant hat. Es ist ein Holzhaus, das die Firma Haidl aus Röhrnbach (Landkreis Freyung-Grafenau) gebaut hat.

Haus Polz aus südwestlicher Richtung

Das "Haus Polz"

Das Haus wurde 2010 von der Bayerischen Architektenkammer für die Architektouren ausgewählt.

Sensationellerweise hat es das „Haus Polz“ sogar ins  „Deutsche Architektur Jahrbuch 2010/11“ geschafft und wurde darin als eines von nur zwei Privatbauten vorgestellt – in ausgesprochen prominenter Nachbarschaft. Andere Seiten in dem Buch sind zum Beispiel dem Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin von David Chipperfield Architects gewidmet oder dem VitraHaus in Weil am Rhein vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron.

Was an meinem Haus so besonders ist? Da haben der Architekt, ich und die Architekturjournalisten jeweils ganz eigene Sichtweisen. Diese gibt es in Kürze hier nachzulesen.

Ungewöhnlich wohnlich: Hereinspaziert!

haus polz vorderseite mit garten

Mein Haus ist maßgeschneidert.

Der Traum vom eigenen Haus bietet hierzulande nicht viele Variationsmöglichkeiten. 120 bis 180 Quadratmeter, Satteldach, weiße Kunststofffenster, Keller, Flur, offene Küche, großes Wohnzimmer, zwei Kinderzimmer, Gäste-WC mit kleinerem Fenster neben der Eingangstür und eine Betonfertiggarage. Mehr Auswahl lässt der Traumhaus-Traum offensichtlich nicht zu.

Dabei ist das eigene Haus für die meisten Menschen die größte Investition in ihrem Leben. 250 000 Euro oder mehr werden ausgegeben, jahrzehntelang wird erst gespart und dann das Darlehen abbezahlt. Und dafür kriegt man dann lieblose Massenware.

Erstaunlich, denn Individualität scheint ja heutzutage ein wichtiges Gut zu sein. Vom Schmuckstück über das Müsli bis hin zum Auto wird alles individualisiert. Nur beim Haus traut sich offensichtlich niemand, seinem eigenen Geschmack, seinem Lebensstil zu folgen.

Dabei ist es ganz einfach: Mein Haus hat keinen Keller, weil ich grundsätzlich nichts aufhebe, was ich nicht unbedingt brauche. Mein Haus hat große Fenster, weil ich gerne rausschaue und es mir nichts ausmacht, wenn jemand reinschaut. Mein Haus hat keine Rollläden, weil ich sie nicht benutzen würde. Mein Haus hat keinen Balkon, weil ich lieber im Garten sitze.

Ich hab mich getraut, mein Haus so zu planen, wie es meinem Lebensstil entspricht. Mir ist es egal, was andere von dem Haus halten. Es ist maßgeschneidert für mich – und passt genauso gut, wie man es auch bei einem maßgeschneiderten Kleidungsstück erwarten würde. Schade, dass andere stattdessen zum Haus von der Stange greifen.

Mein Blog ist für alle, die ihre eigenen Vorstellungen vom Traumhaus haben, – und für alle, die noch gar keine Vorstellungen davon haben. Für alle, die das Thema Architektur spannend finden, die sich für Bauen und Wohnen interessieren. Für alle, die schöne Häuser mögen. Und mein Blog hat eine eindeutige Botschaft: Traut euch! Es gibt genug Beispiele dafür, dass ein Traumhaus ungewöhnlich und trotzdem wohnlich sein kann. Um diese Beispiele wird sich der Blog hauptsächlich drehen. Und keine Angst, es gibt Menschen, die helfen, die ungewöhnlichen Träume umzusetzen: Architekten. Auch diese werden in meinem Blog vorkommen. Hereinspaziert!