Turmzimmer oder Turmblick?

Ein leeres Zimmer in der Veste Niederhaus

So wohnt man in der Veste Niederhaus: mit ganz dicken Burgmauern.

Die Veste Niederhaus ist eines der Wahrzeichen Passaus. Wer möchte, kann darin auch wohnen, denn die Burg wurde vor einiger Zeit vom Architekturbüro Paukner innen umgebaut. Entstanden sind die wohl ungeWOHNlichsten Mietwohnungen, die Passau zu bieten hat. Bei den Architektouren 2013 konnten Besucher einen Blick in einige der 13 Einheiten werfen.

Wer Burgherr oder Burgfräulein werden möchte, muss allerdings einige Kompromisse eingehen. Viele unebene steinere Stufen sind zu überwinden, bis man an seiner Wohnungstür ankommt. 95 Stufen sind es zum Beispiel bis zur Vier-Zimmer-Wohnung mit 150 Quadratmetern, die man für 1500 Euro warm mieten kann – angeboten derzeit bei Immobilienscout24. Dafür wohnt man in einer Festung, die ungefähr 1250 gebaut wurde, eine bewegte Vergangenheit aufweist und malerisch zwischen Donau und Ilz liegt – und Besuche im Fitnessstudio werden überflüssig, den knackigen Hintern gibt es beim Gang zur Haustür gratis.

Viele der Architektouren-Besucher haben die drei noch leeren Wohnungen (129 bis 150 Quadratmeter) schon im Geiste eingerichtet. Dass man dabei allerdings kreativ vorgehen muss, wurde den meisten schnell klar. Die Raumaufteilung ist recht unkonventionell – oder praktisch nicht vorhanden. Ich persönlich hätte am liebsten bei dem 25-Quadratmeter-Appartement im Bergfried zugeschlagen, das allerdings schon einen neuen Mieter gefunden hat. Auf einer Ebene im Turm zu wohnen, das hat ein bisschen was von Dornröschen.

Blick von Klosterwinkel 6 auf den Schaiblingsturm

Mal aus einer anderen Perspektive: der Schaiblingsturm von der Dachterrasse aus gesehen.

Die nächste Traumwohnung wartete bei den Architektouren aber schon bei der nächsten Station – leider ebenfalls vermietet. Im Klosterwinkel 6 hat Architekt Andreas Schmöller ein denkmalgeschütztes Haus direkt an der Innpromenade umgebaut. Neben der ungewöhnlichen Stahltreppe im Zentrum des Hauses ist vor allem die Dachterrasse auffällig – denn solche gibt es in der Altstadt selten. Neue werden in der Regel nicht genehmigt, um das Stadtbild nicht zu stören, wie Architekt Andreas Schmöller erläuterte. Deshalb hat der Giebel der fabelhaften Dachwohnung im Klosterwinkel 6 Holzlamellen vor der Verglasung. Aber die muss man natürlich nicht schließen. Stattdessen genießt man besser den wirklich einzigartigen Ausblick: direkt vor der Terrasse den Schaiblingsturm, dahinter dann Mariahilf.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.