Das kannst du doch nicht machen! – Teil 5: Ein Holzhaus bauen

Vorgefertigte Wandelemente werden an der Baustelle zusammengefügt.

Ein Haus in Holzständerbauweise ist schnell aufgestellt. Die Innen- und Außenwände werden vorgefertigt. Foto: Karin Polz

Dies ist der fünfte Teil meiner Serie „Das kannst du doch nicht machen!“, und dieser Teil betrifft eine Grundsatzentscheidung, die ich lange vor der Hausplanung getroffen hatte. Wenn bauen, dann mit Holz. Überzeugt haben mich verschiedene Argumente, am meisten aber die Tatsache, dass Holz ein angenehmer, warmer, schöner und nachwachsender Werkstoff ist. Ich mag Holz – das hat es mir leicht gemacht, mein Vorhaben, ein Holzhaus zu bauen, gegen viele Bedenken und Gegenargumente zu verteidigen.

Warum ein Holzhaus?

Den wichtigsten Grund habe ich schon genannt. Aber es gibt auch einige Fakten, die für Holz sprechen:

  • Bauen mit Holz ist nachhaltig. Holz ist ein natürlicher Baustoff. In bayerischen Wäldern wächst mehr Holz nach als geerntet wird. Man kann den Baustoff aus der Region beziehen und damit die Transportwege kurz halten. Mein Haus ist aus heimischem Fichtenholz gebaut, die Fußschwellen sind aus Lärchenholz.
  • Ein Haus aus Holz ist ein Kohlendioxid-Speicher. Während Holz wächst, nimmt es Kohlendioxid auf und bindet es. Ein Kubikmeter Holz bindet 900 Kilogramm Kohlendioxid, sagt die Holzforschung München. Und rechnet vor, dass somit in einem modernen Einfamilien-Holzhaus ungefähr so viel Kohlendioxid gebunden ist, wie emittiert wird, wenn man 40 Jahre lang Auto fährt.
  • Holz sorgt für gutes Klima. Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Und es wird in der Bauphase weniger Wasser ins Haus eingebracht als bei einem Ziegelhaus. Gerade in den ersten Jahren der Nutzung ist es dadurch weniger anfällig für Feuchte- und Lüftungsschäden, bestätigt das Bayerische Institut für nachhaltige Entwicklung.
  • Die Brandgefahr ist nicht höher als bei einem Ziegelhaus, denn Brände gehen meist von der Wohnungseinrichtung aus. Holz brennt äußerst berechenbar, und es entwickelt deutlich weniger giftige Brandgase als andere Baustoffe.
  • Ein Holzhaus wird in der Regel vorgefertigt, die einzelnen Bauteile werden an der Baustelle zusammengefügt. Bei meinem Haus stand nach einem Tag das Erdgeschoss, Obergeschoss und Dach benötigten zwei weitere Tage. Dann ging es schon an den Innenausbau. Ein Holzhaus ist sehr schnell beziehbar – für alle, die zur Miete wohnen, während sie ihr Eigenheim bauen, ist das ein unschlagbarer finanzieller Vorteil.
  • Mit einem Holzhaus haben wir nach damaligem Stand eine weitaus bessere Wärmedämmung erreicht, als es mit einem Ziegelhaus möglich gewesen wäre. Die Dämmung liegt beim Holzhaus in der Wand, hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Zellulose, möglich. Das heißt, dass bei gleicher Grundfläche das Holzhaus mehr Wohnfläche bietet, weil die Außenwände dünner geplant werden können. Fünf bis zehn Prozent Wohnflächengewinn errechnet das Bayerische Institut für nachhaltige Entwicklung.

Ist ein Holzhaus billiger?

Das halb fertige Haus am zweiten Tag der Bauphase

Das ist mein Haus am zweiten Tag. Da war bereits das Obergeschoss an der Reihe. Foto: Karin Polz

Es gibt verschiedene Bauweisen, die unter den Begriff „Holzhaus“ fallen. Ein Blockhaus ist anders gebaut als ein Massivholzhaus oder ein Haus in Holzständerbauweise, wie ich es habe. Ich habe damals Angebote für das Haus in Ziegelbauweise und in Holzständerbauweise eingeholt. Da gab es große Preisunterschiede, einige Angebote für Ziegelhäuser waren günstiger als für ein Holzhaus. Rechnet man aber alles mit ein, auch zum Beispiel den höheren Dämmstandard und die kürzere Bauzeit (und damit kürzere Doppelbelastung durch Miete und Baudarlehen), ist der Unterschied verschwindend gering. Das Thema Wiederverkaufswert wird häufig als Gegenargument gegen Holzbau verwendet. Ich bin mir aber sicher, dass es beim Wiederkauf egal ist, ob das Haus aus Ziegel oder Holz ist, solange es in gutem Zustand und ohne Mängel ist und einen niedrigen Energiebedarf aufweist. Für den Wert des Hauses ist sicherlich die Lage wichtiger als die Bauweise.

Und aus architektonischer Sicht?

Musterhaus von Holzbau Sonnleitner mit Holzfassade

Eine Holzfassade kann den Charakter eines Hauses stark prägen und ist damit auf jeden Fall ein wichtiges architektonisches Element, wie hier bei einem Musterhaus von Sonnleitner. Foto: Karin Polz

Unser Plan hätte sich in Ziegel- und Holzbauweise gleichermaßen umsetzen lassen. Die markante Holzdecke in unserem Erdgeschoss ist aber vor allem unserer Entscheidung für die Holzbauweise zu verdanken. Ein Ziegelhaus hätte vielleicht eine Betondecke bekommen – dann wären wir nie auf die Idee mit den weiß lasierten Balken gekommen.

Wer Holz in der Fassadengestaltung schön findet, hat mit einem Holzhaus natürlich vielfältigste Möglichkeiten. Mir gefallen Holzhäuser mit Holzfassade sehr gut – allerdings hat es zu unserer Hausform überhaupt nicht gepasst. Eine Putzfassade lässt sich auch auf Holzwände auftragen: Ein Holzhaus muss nicht auf den ersten Blick als solches erkennbar sein.

Entscheidungshilfen

Ich bin ein absoluter Befürworter von Holzhäusern. Deshalb kann ich hier nicht unparteiisch sein. Ich würde nie mit Ziegel bauen wollen, nachdem ich jahrelang in feuchten Ziegelhäusern gewohnt habe, mit kalten Wänden und mit dauernden Schimmelproblemen. Zu feuchte Luft kenne ich in meinem Haus nicht – manchmal ist es eher zu trocken. Fehlender Schallschutz, der Holzhäusern häufig nachgesagt wird, ist bei meinem Haus kein Problem. Hier entscheidet mehr die Konstruktionsweise als das Baumaterial darüber, wie hellhörig ein Haus ist. Ich jedenfalls finde das Raumklima in meinem Haus sehr behaglich und machen zum großen Teil das Holz dafür verantwortlich. Bauen mit Holz ist meiner Meinung nach eine sehr nachhaltige Möglichkeit, die für Bauherren zudem eine große Sicherheit bietet: Durch die computergesteuerte Vorfertigung der Bauteile sind Präzision und hohe Qualität der Bauteile gewährleistet. Wer sich selbst eine Meinung bilden will, kann natürlich als Alternative zum Internetauftritt des Deutschen Holzfertigbau-Verbands oder des Deutschen Massivholz- und Blockhausverbands zum Beispiel auch beim Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie oder beim InformationsZentrum Beton vorbeischauen.

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 1: Bauen ohne Keller

Teil 2: Bauen am Nordhang

Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Teil 6: Bauen ohne Zaun

Das kannst du doch nicht machen! – Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Wohnzimmer Haus Polz Blick nach Norden

Esstisch, Sessel und Hocker, aber keine Couch: Im offenen Wohnraum gibt es keinen „richtigen“ Wohnzimmer-Bereich. Foto: Hendrik Schwartz

Wenn Leute mich das erste Mal besuchen, passiert manchmal Folgendes: Sie kommen in den offenen Wohnraum, bemerken zuerst die großen Fenster und die Ausblicke. Und schauen sich dann suchend um: „Hast du gar keinen Fernseher?“ oder „Hast du keine Couch?“, fragen sie, manchmal auch „Habt ihr gar kein richtiges Wohnzimmer?“

Die Antwort auf die letzte Frage wäre eigentlich eine Gegenfrage: Was ist denn ein richtiges Wohnzimmer? Wann ist ein Zimmer so geplant, ausgestattet, eingerichtet, dass es als Wohnzimmer betrachtet werden kann? Womöglich hat man die seit Jahrzehnten gängigen Merkmale vor Augen: größter Raum im Haus, Couch, Couchtisch, Fernseher, Schrank- oder Regalwand. Weil man hier aber auch kreativer vorgehen könnte, ist das Wohnzimmer in meiner „Das-kannst-du-doch-nicht-machen“-Serie gelandet, obwohl es kein klassisches Bauthema ist. Auch beim Wohnen und Einrichten orientieren sich viele Bauherren an den aktuellen Trends, ohne sie zu hinterfragen. Besser wäre es jedoch, nicht das umzusetzen, was alle für richtig oder angesagt halten, sondern das, was die eigenen Bedürfnisse am besten befriedigt.

Warum kein Wohnzimmer?

Blick ins Fernsehzimmer im Haus Polz

Der Fernseher hat ein eigenes Zimmer. Fernsehen wird so eine Tätigkeit, für die man sich bewusst entscheiden muss. Foto: Karin Polz

Mein Wunsch war ein großer Wohnraum, hell und luftig. Also möglichst wenig Wände im Erdgeschoss, kein abgeschlossenes Wohnzimmer.Obwohl der Raum groß genug wäre, um einen großen Essplatz und eine Couchlandschaft sowie Schränke unterzubringen, ist die Gestaltung doch sehr „minimalistisch“ geblieben.

Das hat sich nach und nach ergeben, da im Haus genug Platz war, um die Raumfunktionen anders aufzuteilen: Das Fernsehen wurde beispielsweise ausgelagert ins Obergeschoss. Hauptgrund war ursprünglich, dass ich den alten Fernseher so hässlich und störend im Wohnraum fand. Mittlerweile könnte ich es mir aber aus diversen Gründen nicht mehr anders vorstellen. Und was die Wohnzimmermöbel angeht, so ist nach einigen Experimenten nur ein Sessel geblieben. Ein Sofa hat immer deplatziert gewirkt vor den großen Fensterflächen. Wenn Gäste kommen, sitzen diese am Esstisch, auf dem Sessel, auf dem Hocker oder ganz oft auch auf den Fensterbrettern. Demnächst werden noch ein paar Sitzgelegenheiten dazukommen – ein weiterer Sessel und ein flaches Regal in der Wandnische, dessen Oberfläche mit Polstern zur Bank gestaltet wird.

Ist es billiger, ohne Wohnzimmer zu bauen?

Kann man so eigentlich nicht fragen. Man lässt ja nicht einfach einen Raum weg und baut dafür ein kleineres Haus. Vielmehr wirkt sich die Entscheidung auf zwei andere Punkte aus: die Raumaufteilung und die flexible Nutzung der Räume. Beides ist bei der Grundrissplanung zu beachten und hat in diesem Zusammenhang dann Auswirkungen auf die Baukosten. Grundsätzlich gilt: Wer sparen will, verzichtet auf zu viele kleine Räume und zu viele Verkehrsflächen und spart mit jedem Quadratmeter weniger Wohnfläche um die 1200 Euro, rechnet Achim Linhardt in seinem Buch „Attraktiv bauen mit kleinem Budget“ (DVA, ISBN 978-3-421-03816-6) vor.

Und aus architektonischer Sicht?

Couch im Dachstudio von Haus Polz

Es gibt nicht nur eine Couch (im Fernsehzimmer) im Haus Polz, sondern sogar zwei: Auch das Dachstudio ist damit ausgerüstet. Foto: Karin Polz

Der Architekt ist der Fachmann für den Grundriss, er kann dafür sorgen, dass die Raumaufteilung zu den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Bauherren passt und individuelle Lösungen vorschlagen. Wer gerne DVD-Abende gemeinsam mit dem Partner auf der Couch verbringt, wird anders planen als jemand, der regelmäßig eine bunte Gästeschar mit Drei-Gänge-Menüs bewirten möchte. Dazu kommen Fragen wie: Wie verlaufen die Wege im Haus? Wie ist die Lichtführung? Wo gibt es schöne Ausblicke? Das Wohnzimmer muss sich sinnvoll in die Gesamtplanung integrieren. Zudem sieht ein guter Grundriss in einem Haus mit schmaler, langer Grundfläche natürlich anders aus als in einem quadratischen Baukörper. Bestimmte Regeln gelten aber fast immer: Wer zum Beispiel lange Flure vermeidet und damit Verkehrsfläche sparen möchte, wird sein Wohnzimmer eher offen gestalten. Da geht man dann vielleicht durch das Esszimmer ins Wohnzimmer oder durch das Wohnzimmer ins Arbeitszimmer.

Unbedingt besprechen sollte man mit dem Architekten, inwieweit man die Räume flexibel nutzen und so die Raumaufteilung ändern kann. Ein Haus bewohnt man in der Regel in sehr verschiedenen Lebensphasen – und je starrer die Raumaufteilung geplant ist, desto schwieriger wird eine sinnvolle Nutzung in den einzelnen Phasen. Ein Beispiel, das ich zurzeit vor allem in den Elternhäusern meiner Freunde und meiner Familie sehe: In der Regel waren Küche, Esszimmer und Wohnzimmer dort einzelne Räume. Am kleinsten die Küche, etwas größer das Esszimmer und am größten das Wohnzimmer. Wenn aber jetzt die Kinder alle schon eigene Familien haben, kommen zum bestimmten Anlässen manchmal sechs oder gar zehn Erwachsene zusammen plus die Enkelkinder-Schar. Das Esszimmer, das für solche Gelegenheiten genutzt wird, ist dann zu klein. Das Wohnzimmer ist dagegen für die Dauernutzung durch nur zwei Personen viel zu groß. Gut ist es, wenn solche Funktionen getauscht werden können. Das klappt am besten, wenn Räume offen und dadurch flexibel sind oder bei einer Neuaufteilung Aufgaben der Wohnräume ausgelagert werden können. Ein Lese- oder Fernsehzimmer in einem früheren Arbeitszimmer oder eine gemütliche Couch in der offenene Galerie im ersten Stock sind beispielsweise Lösungen, die man immer wieder sieht.

Entscheidungshilfen

Das Wohnzimmer hat sich in jüngster Zeit wieder gewandelt. War das Wohnzimmer lange Zeit ein repräsentativer Raum, wird es jetzt wieder privater und intimer. Häufig ist es wieder abgetrennt, oft sogar etwas versteckt hinter den „offiziellen“ Wohnräumen platziert. Manchmal ist es kleiner als die Essräume, dafür mit einer Couchlandschaft vollgestellt – eher ein Ruheraum als ein Wohnraum. Wer das Gegenteil anstrebt, schaut sich als Inspiration bei der Einrichtungplattform Houzz die wunderschönen Fotos zum Thema „Acht Ideen für ein gemütliches Wohnzimmer ohne Sofa“ an. Das Für und Wider des offenen Wohnens diskutiert der Artikel „Loft-Wohnungen sind nur auf den ersten Blick schick“ in der Onlineausgabe der „Welt“.

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 1: Bauen ohne Keller

Teil 2: Bauen am Nordhang

Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Teil 5: Bauen mit Holz

Teil 6: Bauen ohne Zaun

Das kannst du doch nicht machen! – Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Innen helle Stoffrollos und Vorhänge, draußen ein paar Sträucher und Bäume: Das sind meine bevorzugten Alternativen zu Rollläden im Hochsommer. Foto: Karin Polz

Innen helle Stoffrollos und Vorhänge, draußen ein paar Sträucher und Bäume: Das sind meine bevorzugten Alternativen zu Rollläden im Hochsommer. Foto: Karin Polz

Ein Haus besteht aus vielen einzelnen Teilen. Was passiert, wenn man diejenigen Teile einfach weglässt, die man selbst nicht nutzen wird, die andere aber als Standard betrachten? Häufigste Reaktion: „Das kannst du doch nicht machen!“ Kann man doch! Davon handelt ja diese Serie. Mir fallen auf Anhieb gleich einige Dinge ein, die man je nach persönlicher Neigung weglassen könnte. Wer nicht gerne badet, könnte die Badewanne weglassen. Wer kein Auto hat, muss keine Garage bauen. Und wer bisher in den Mietwohnungen keine Rollläden benutzt hat, wird auch im eigenen Haus keine brauchen.

Warum keine Rollläden?

Schlafzimmer im Haus Polz mit Kleiderschrank Pax

Vorhänge sind nicht nur Sichtschutz: Sie sind gleichzeitig ein Element der Wohnraumgestaltung. Foto: Hendrik Schwartz

Ich mag es, aus dem Fenster zu schauen. Ich will nachts und morgens gerne wissen, wie dunkel oder hell es draußen ist, schon bevor ich aufstehe. Wenn draußen ein Gewitter tobt, will ich dabei zusehen. Und im Hochsommer ertrage ich lieber die Hitze, als dass ich tagsüber im Dunkeln sitze. Es gibt keine Situation, in der ich die Rollläden benutzen würde – weder nachts noch bei Unwettern und schon gar nicht tagsüber bei Sonnenschein.

Natürlich tickt da jeder Mensch anders. Aber darum baut man sich ja ein eigenes Haus, damit man seine individuellen Wünsche umsetzen kann. Oder? Jedenfalls wollte ich von Anfang an keine Rollläden haben. Auch als zusätzliche Dämmschicht vor dem Fenster oder als Einbruchsschutz spielen die Rollläden bei mir keine Rolle – moderne Fenster können beides auch ohne Rollläden bieten.

Ist es billiger, ohne Rollläden zu bauen?

Rollläden veranschlagt Autor Achim Linhardt in seinem Buch „Attraktiv bauen mit kleinem Budget“ (DVA, ISBN 978-3-421-03816-6) mit 150 Euro pro Fenster. Und zwar, wenn das Fenster 1,5 Quadratmeter groß ist. Unsere Fenster sind aber fast 4,5 Quadratmeter groß. Das hätte bedeutet, dass wir nicht nur teure, weil große Rollläden in Sondermaßen benötigt hätten, sondern für alle Fenster auch einen elektrischen Antrieb. Wie viel das gekostet hätte? Keine Ahnung, haben wir uns nie anbieten lassen. Positiv zu werten ist es sicherlich auch, dass Fenster ohne Rollläden unkompliziert einzubauen sind und mit dem fehlenden Rollladenkasten eine mögliche konstruktive Schwachstelle wegfällt.

Und aus architektonischer Sicht?

Musterhaus Functionality von Sonnleitner

Rollläden sind nicht besonders hübsch anzuschauen. Schiebeläden sind dagegen auch ein Element der Fassadengestaltung wie hier bei diesem Musterhaus von Sonnleitner. Foto: Karin Polz

Das finanzielle Argument fällt aber sofort weg, wenn man sich dazu entscheidet, dass man Läden als Gestaltungselement in der Fassadenplanung nutzen möchte. Dann könnte man sich zum Beispiel für Fensterläden entscheiden oder – was mir persönlich sehr gut gefällt – Schiebeläden. Hat man beispielsweise lauter symmetrisch angeordnete und gleich große Fenster und daneben jeweils ein fenstergroßes Schiebeelement aus Holz, kann das eine schöne Fassadenansicht ergeben oder sogar das entscheidene Element der Fassadengestaltung sein. Großzügige Balkone können beispielsweise durch Schiebeelemente auf der ganzen Länge verdeckt werden. Bei solchen Konstruktionen ändert sich das Aussehen des Hauses komplett, je nachdem, ob die Läden geschlossen oder zur Seite geschoben werden. Schöner als Rollläden sind solche Lösungen allemal. Rein von der Ästhetik her gehen für mich Häuser mit geschlossenen Rollläden gar nicht.

Was sind die Alternativen zu Rollläden?

Fensterläden und Schiebeläden sind eine Möglichkeit. Wer beides nicht möchte, weil es beispielsweise nicht zur Fassadengestaltung passt, hat sowohl drinnen wie auch draußen noch einige Möglichkeiten. Um nachts Räume abzudunkeln oder zu aggressives Sonnenlicht rauszusperren, haben wir raumhohe Vorhänge aus blickdichten Stoffen an allen Fenstern, bei denen das notwendig sein kann. Die sind zudem Gestaltungsmittel für die Räume und daher auch in verschiedenen Farben und Dessins im Haus vorhanden.

Gegen zu viel Sonnenlicht sind Laubbäume der beste Schutz. Stehen sie an der richtigen Stelle und haben sie eine gewisse Größe erreicht, so werfen sie im Sommer mit dichtem Laub genug Schatten. Und wenn es Winter ist und Sonne Mangelware, lassen sie laublos die wertvollen Sonnenstrahlen durch. Sichtschutz bieten sie ebenfalls – das gilt übrigens ebenso für Sträucher. Im Sommer ist unser Garten durch viel Grün abgeschottet. Im Winter hat man von der Straße aus dagegen freien Blick auf unseren Esstisch.

Was die Sonneneinstrahlung angeht, haben wir übrigens gerade im Nordosten mittlerweile im Sommer Innenrollos aus hellem Stoff. Denn an Sommertagen hat die tiefstehende, weil gerade aufgehende Sonne das Haus mit den fast waagrecht reinfallenden Strahlen am stärksten aufgeheizt. Die hochstehende Mittagssonne hat dagegen vom Einstrahlwinkel her die Wohnräume gar nicht wirklich erreicht.

Entscheidungshilfen

Wer zu Rollläden tendiert, sollte sich mal anschauen, was Fachfirmen so alles im Angebot haben – da ist der Sonnenschutz ein Teil des Smart Home und kann ferngesteuert, zeitgesteuert und wettergesteuert werden. Wie man Schiebeläden gestalterisch einsetzen kann, zeigt der Beitrag, den ich über das Musterhaus von Sonnleitner geschrieben habe. Und bei meinem Post über das „Traumhaus mit roten Fensterläden“ spricht ja schon der Titel für sich. Egal, ob man es nachts dunkel mag, schattig im Sommer oder die Sonne niemals aussperren möchte: Bei der Frage nach Rollläden muss man vor allem nach seinen eigenen Bedürfnissen entscheiden. Wer dazu noch die Alternativen studiert, findet bestimmt die individuell richtige Lösung.

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 1: Bauen ohne Keller

Teil 2: Bauen am Nordhang

Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Teil 5: Bauen mit Holz

Teil 6: Bauen ohne Zaun

Das kannst du doch nicht machen! – Teil 2: Bauen am Nordhang

Haus Polz Ansicht aus Norden mit Garten und Nordhang sowie Terrasse

Sogar im Winter kann man erkennen, dass auch an einem Nordhang so einiges wächst. Selbst Weintrauben gedeihen dort.

Einen geeigneten Bauplatz zu finden ist meist der erste Schritt beim Projekt Hausbau. Die meisten wünschen sich vermutlich ein mittelgroßes, ebenes und nicht zu teures Grundstück. Oft muss man aber nehmen, was man bekommt. Und wenn es ein Nordhang ist? Dann sollte man trotzdem zugreifen, wenn sonst alles passt. Die Warnung aus Familie und Freundeskreis „Das kannst du doch nicht machen!“ darf man getrost ignorieren, denn – und darum geht es in dieser Serie – gefallen muss es einem nur selbst.

Warum Nordhang?

Als wir das Grundstücksangebot samstagvormittag in der Zeitung entdeckt hatten, waren wir schon begeistert, weil es sich so gut angehört hat. Und ein Anruf bestätigte: Das Grundstück liegt in unserem Wunschort. In einer Sackgasse fast am Ende einer etwa zehn Jahre alten Siedlung (kein Neubaugebiet, hurra!) und war von der Größe her passend (790 Quadratmeter, 800 Quadratmeter war unsere Wunschgröße). Und dann war es auch noch relativ günstig. Meine größte Angst: Dass es mir dann nicht gefällt, wenn ich dort bin. Hat sich aber nicht bestätigt, ich habe mich sofort wohlgefühlt. Und das halte ich für den wichtigsten Punkt bei der Grundstückswahl: Man muss sich an diesem Fleckchen Erde wohlfühlen. Man hält sich ja schließlich dann für lange Zeit genau dort auf. Dass es ein Hanggrundstück ist und dazu noch Richtung Norden, war zu dem Zeitpunkt unwichtig.

Ist ein Nordhang-Grundstück billiger?

Wenn beim Grundstückskauf das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt, dann auf jeden Fall. Alle wollen ein ebenes Grundstück oder einen Südhang. Nordhang wird definitiv weniger nachgefragt. Möglicherweise gilt das für jede Art von Grundstück, die nicht den Idealen entspricht: sehr schmale, unregelmäßig geschnittene oder ungewöhnlich gelegene Grundstücke. Wer sich nicht abschrecken lässt, kann vielleicht ein Schnäppchen machen.

Was heißt Nordhang für die Architektur?

Verschattungsstudie zu Haus Polz mit dem Beispiel Verschattung im Winter zur Mittagszeit.

Den Schattenwurf des Hauses aufs Grundstück zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten hat der Architekt am Computer berechnet. Hier als Beispiel, welche Teile des Gartens im Winter mittags im Schatten liegen.

Wer das Können des Architekten möglichst umfassend nutzen will, sollte ihm die Möglichkeit lassen, ein perfekt auf das Grundstück zugeschnittenes Haus zu planen. Oder andersherum gesagt: Wer ein schwierigeres Grundstück kauft, sollte noch keine allzu detaillierten Vorstellungen davon haben, wie sein Haus mal aussehen soll. Hanggrundstück kann schließlich auch heißen, dass man die Geschoße in den Hang baut, Ebenen gegeneinander verschiebt oder – wie bei meinem Haus – einen eher ungewöhnlichen Grundriss wählt, um den Platz auf dem Grundstück besser auszunutzen.

Die optimale Lösung bei uns war es, das Haus auf das schmale Fleckchen Grund ganz oben an der Straße zu stellen, wo das Grundstück noch einigermaßen eben ist. Denn damit betreffen die möglichen Nachteile eines Nordhangs das Haus an sich nicht mehr – es steht ja genauso da wie ein Haus auf ebener Fläche. Um den großen Gartenteil, der dann am Nordhang entstehen sollte, möglichst wenig zu verschatten, hat unser Architekt eine Verschattungsstudie gemacht. Am Computer hat er den Schattenwurf mehrerer verschiedener Hausmodelle zu verschiedenen Jahreszeiten und Tageszeiten berechnet. Je nach Lage und Höhe des Hauses hätte es auch Situationen gegeben, zu denen der Hang die meiste Zeit komplett vom eigenen Haus verschattet gewesen wäre. Für mich war das ein wichtiges Entscheidungskriterium und ich bin immer noch sehr dankbar, dass unser Architekt diese Verschattungsstudie gleich am Anfang angeboten hat und uns aussagekräftige Ergebnisse präsentieren konnte. Für die Planung war das eine perfekte Grundlage.

Kommt aus Norden überhaupt genug Licht ins Haus?

Was beim Nordhang aus architektonischer Sicht gut geht: große Fenster, die viel Licht reinlassen, damit auch die Nordseite nicht im Düsteren liegt. Die Meinung, dass man im Norden kaum Fenster bauen sollte und dort nur Funktionsräume anordnen sollte, um Energie zu sparen, ist veraltet. Es gibt Verglasungen, die den Sonnenschein leicht nach drinnen durchlassen, die Wärme aber nicht so leicht wieder nach draußen lassen. Und im Sommer ist eh jeder froh, wenn nicht den ganzen Tag aus Richtung Süden Hitze ins Haus knallt.

Wie wirkt sich ein Nordhang auf die Gartenplanung aus?

Haus Polz aus Nord-Osten mit Blick auf die Holzterrasse im Nordhang

Die in den Nordhang integrierte Terrasse ist im Hochsommer ein beliebter Aufenthaltsort. Denn in der prallen Sonne der Südterrasse vor dem Haus hält man es dann gar nicht aus.

Während sich der Nordhang beim Haus kaum auswirkt, ist es beim Garten schon etwas anderes: Wir haben im Süden einen kleinen ebenen Garten und im Norden einen riesigen Garten am Hang. Der Garten im Norden ist manchmal bis zu drei Wochen später dran als der Süd-Garten. Manche Pflanzen wachsen nur im Süden gut und bleiben im Norden eher kümmerlich. Andererseits scheint es anderen Pfanzen komplett egal zu sein, ob sie im Norden oder Süden wachsen.

Heiß begehrt im Hochsommer ist übrigens unsere Terrasse im Nordhang – denn dort ist es auch an heißen Sommertagen erträglich. Die Terrasse im Süden dagegen ist im Frühling und Herbst erste Wahl, wenn jeder Sonnenstrahl wertvoll ist. Grundsätzlich sollte man sich überlegen, Sitz- und Ruheplätze im Garten in verschiedenen Himmelsrichtungen anzulegen.

Entscheidungshilfen

Wie gesagt: Wenn das Grundstück unabhängig von der Himmelsrichtung gefällt, man bereit ist, die Hausplanung aufs Grundstück abzustimmen, eine Verschattungsstudie ein akzeptables Ergebnis erbringt und man damit leben kann, dass am Nordhang kein Toskana-Garten entstehen wird, dann spricht nichts gegen einen Nordhang. Es gibt für jedes Grundstück das passende Haus. Dafür sollte man aber einem guten Architekten vertrauen und mit ihm aufs Grundstück abgestimmt planen. Wenn ich in Foren lese, dass Paare ihr Haus inklusive Grundriss und Außenansicht schon eigenhändig und ohne jegliche Beratung geplant haben und jetzt überlegen, ob dieses Haus auf ein bestimmtes Grundstück passen könnte, dann weiß ich, dass das schiefgehen wird. Und dann ist es auch egal, ob es nun ein Nordhang ist oder nicht.

Welche Wohnqualitäten ein Haus am Nordhang haben kann, zeigt übrigens auch eine Folge der BR-Serie „Traumhäuser wiederbesucht“ sehr schön. „Ein Hofhaus am Nordhang“ ist in der Mediathek abrufbar. Wunderbar finde ich bei der Folge, dass man auch sehr schön sieht, wie Familie und Bekannte als Bedenkenträger alle mögliche Entscheidungen der Bauherren in Frage stellen. Auch deswegen passt die Dokumentation perfekt in diesen Zusammenhang.

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 1: Bauen ohne Keller

Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Teil 5: Bauen mit Holz

Teil 6: Bauen ohne Zaun

Das kannst du doch nicht machen! – Teil 1: Bauen ohne Keller

Bodenplatte des Haus Polz in Neukirchen am Inn

Bodenplatte statt Keller: Das war eine Grundsatzentscheidung, die aber auch deshalb klug war, weil man nicht ganz so tief ins Erdreich des hinten steil abfallenden Grundstücks musste. Foto: Karin Polz

Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen vom Traumhaus. Wenn er sein Haus plant, setzt er diese Vorstellungen anfangs begeistert um. Dann kommen Verwandte, Bekannte, Freunde und sagen „Das kannst du doch nicht machen!“ Woraufhin die Pläne geändert werden und die individuellen Planungen der Massen-Meinung weichen. Im schlimmsten Fall. Im besten Fall lässt man sich nicht dreinreden und macht (nach umfassender Beratung), wie man es sich wünscht. Darüber, was andere bei meinem Haus anders geplant hätten, kann ich gleich eine ganze Serie machen. Teil 1 handelt davon, dass mein Haus keinen Keller hat.

Warum kein Keller?

Gegenfrage: Warum ein Keller? Das Argument, dass man im Keller viel zusätzlichen Platz hat, fand ich nie besonders überzeugend. Denn auf viel Platz sammelt sich nur viel Krempel.

Pelletheizung Primärofen im Wohnzimmer

Was viele erst einmal für einen Kamin halten, ist die Zentralheizung. Ein solcher Pelletofen steht bei den meisten im Keller, es gibt aber auch Modelle für den Wohnbereich, wie dieses von Windhager. Foto: Hendrik Schwartz

Also was wäre in meinem Keller sinnvoll untergekommen? 1. Die Heizung. Der Brenner der Zentralheizung steht im Wohnzimmer (darüber schreibe ich vielleicht noch mal mehr), der Pufferspeicher und die Technik stehen im Haustechnikraum hinter der Garage. Und das Holzpellet-Lager ist in der Dachschräge über der Garage. Wobei die Garage Teil des Hauses ist – sie ist also nicht als Kellerersatz zusätzlich geplant worden. 2. Waschmaschine und Trockner. Stehen bei mir sichtgeschützt im Gästebad auf zwei Quadratmetern. Für zwei Quadratmeter muss man nicht ein ganzes Kellergeschoss bauen. 3. Weihnachtsdeko, Werkzeug, Hobby-Equipment. Ist im ganzen Haus verteilt. Unser Garderobenschrank ist deckenhoch, ganz oben bringt man eh nur Sachen unter, die man selten braucht (Weihnachtsdeko). Im Gästezimmer steht ein Schrank, in dessen linken Teil wunderbar ein Snowboard passt. Und in der Garage gibt es viele Meter Regal.

Warum ich nichts im Dachboden verstaue? Weil ich einen solchen auch nicht besitze. Ich wohne in einem Haus fast ohne Stauraum – und es klappt wunderbar. Muss nicht bei jedem so sein, klar. Eine ehrliche Bestandsaufnahme, für was man wie viel Stauraum braucht, kann eine Entscheidungshilfe sein.

Ist es billiger, ohne Keller zu bauen?

Fassadenansicht Haus Polz

Über der Garage ist viel Platz – der schräge Hohlraum wird als Pelletlager benutzt. Foto: Karin Polz

Auf jeden Fall. Natürlich braucht man statt einem Kellergeschoss dann eine Bodenplatte, die ebenfalls viel Geld kostet. Aber man braucht eben viele andere Dinge nicht: Fliesen und Bodenbelag für ein ganzes Stockwerk, Wandfarbe für ein ganzes Stockwerk, Elektroleitungen, Steckdosen, Leuchten für ein ganzes Stockwerk. Außen- und Innentüren, Fenster, die Kellertreppe, die Energie, um den Keller später zu heizen – das alles spart man sich.

Zwischen 20.000 und 25.000 Euro habe ich für die Bodenplatte meines Hauses bezahlt. Ein Keller hätte ungefähr das Doppelte gekostet. 18.200 Euro Mehrkosten veranschlagt Achim Linhardt in seinem Buch „Attraktiv bauen mit kleinem Budget“ (DVA, ISBN 978-3-421-03816-6) bei einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern und zwei Wohngeschossen für eine Vollunterkellerung. Verglichen mit dem Gesamtpreis eines Neubaus könnte man natürlich sagen: Für 10 Prozent zusätzliche Kosten bekommt man zusätzliche 100 Quadratmeter. Aber wenn man die Fläche nicht braucht, wieso sollte man dann dafür Geld ausgeben?

Und aus architektonischer Sicht?

Mit Keller hätte sicherlich so einiges anders ausgeschaut. Erstens muss ja so ein Keller ein bisschen aus der Erde schauen, damit man auch Licht hineinbekommt. Mein Haus wäre dann sicherlich nicht so flach auf der Erde gestanden – genau das macht aber einen großen Teil der architektonischen Wirkung aus. Und drinnen ist die Treppe in den ersten Stock sehr markant. Wenn wir da zugleich noch eine Kellertreppe hätten unterbringen müssen, wäre das sicherlich auch anders geworden.

Was ist die Alternative zum Keller?

Es gibt in Wohnhäusern massenhaft ungenutzen Raum – unpraktische Winkel im Raum; Zimmer, die einen Tick zu groß für die vorgesehene Nutzung sind; halbhohe Räume unter Treppen oder unter Dachschrägen. Wir hätten zum Beispiel im Schlafzimmer ein Eck hinter dem Kamin gehabt, das niemand genutzt hätte. Jetzt ist der nicht einmal zweieinhalb Quadratmeter große Raum mit einer Schiebetür abgetrennt und von unten bis oben mit Regalen versehen – was man da alles unterbringt! Sinnvoll ist es, schon bei der Planung solche Flächen im Blick zu behalten und gegebenfalls Trennwände oder Einbaumöbel dafür vorzusehen.

Entscheidungshilfen

Garderobenschrank mit weißen Türen und Eichenholz

Stauraum für Weihnachtsdeko, Bügelbrett und Sportzeugs ist im von Schreinerin Ronja Weranek maßgefertigten Garderobenschrank. Foto: Karin Polz

Ich wollte von Anfang an keinen Keller, weil ich damit nur muffige, feuchte, dunkle Räume assoziiert habe. Insofern war die Entscheidung leicht. Ansonsten gilt: Alles notieren, was in den Keller soll, und sinnvolle Alternativen suchen. Mit einem ebenerdigen Hauswirtschaftsraum ist das Problem vielleicht gelöst. Wer andere Meinungen hören will, kann zum Beispiel den Artikel „Am Keller sparen kann teuer werden“ von Marcus Stölb aus der FAZ nachlesen oder „Keller – ja oder nein“ auf bauen.de. Als Inspiration für alle ohne Keller gibt es hier „6 geniale Ideen, um die Waschmaschine im Bad zu verstecken“ und „Kreative Stauraum-Ideen für mehr Platz“.

Ohne Keller zu bauen war aber nicht die einzige Entscheidung, die für Stirnrunzeln bei anderen gesorgt hat. Schon vorher war bei einigen Skepsis angesagt, nämlich beim Baugrundstück. Kein Südhang, sondern ein Nordhang stand zur Wahl. Darum geht es dann im nächster Teil der Serie: „Das kannst du doch nicht machen! – Teil 2: Bauen am Nordhang“.

Aber sagt mir jetzt erst mal, was ihr von Kellern haltet: Braucht man einen? Oder kann man darauf verzichten? Welche kreativen Lösungen gibt es denn für die Unterbringung von Waschmaschine, Heizkessel und Wasserkästen?

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 2: Bauen am Nordhang

Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Teil 5: Bauen mit Holz

Teil 6: Bauen ohne Zaun

Von New York ins Nirgendwo: Kunstprojekt versetzt berühmte Architektur

Elf Gebäude hat Anton Repponen von New York ins Nirgendwo versetzt. Alle Fotomontagen gibt es unter displaced.design.

Elf Gebäude hat Anton Repponen von New York in Wüsten, Steppen und Sanddünen versetzt. Alle Fotomontagen gibt es unter misplaced.design.

Mein Haus würde sicherlich anders aussehen, wenn es auf einem anderen Grundstück stehen würde. Der Baugrund, sein Zuschnitt, Topographie und Umgebung, war entscheidender Ausgangspunkt für die Architektur. Und ich glaube, genauso muss es sein. Was also passiert, wenn man großartige architektonische Werke nimmt und in eine komplett andere Umgebung versetzt? Anton Repponen hat es ausprobiert – per Photoshop für sein Kunstprojekt „Misplaced“.

Das Chrysler-Building sieht aus, als würde es aus einer Spalte des kargen Bodens vor menschenleeren Hügeln wachsen. Ein bisschen verloren steht es da, aber endlich kann man mal den Blick ohne Ablenkung über die runden Formen des Turmaufbaus schweifen lassen. Von der Straße aus, der Lexington Avenue in New York, wo es eigentlich steht, funktioniert das ja nicht so gut.

Das Whitney Museum von Renzo Piano macht einen etwas tristen Eindruck in der dürren Steppenlandschaft, in die es Anton Repponen versetzt hat. Die vielen Ecken, Vorsprünge und schiefen Ebenen passen nicht so recht in die leicht hügelige Landschaft. Vielleicht passt diese Architektur wirklich besser in die Straßen Manhattans? Die Fotos auf der Homepage des Museums lassen es jedenfalls vemuten: Im Großstadtgetümmel verschafft sich das Gebäude nur durch die kantigen, unregelmäßigen Formen überhaupt Geltung.

Mein Lieblingsbild: das IAC Building von Architekt Frank Gehry in den Sanddünen. Dank seiner geschwungenen Formen sieht das Gebäude selbst aus, als hätten Wind und Wellen es geformt. Solch harmonisch geschwungene Formen muss man erst mal hinbekommen! Mir jedenfalls gefällt diese Architektur in der Natur sogar besser als am wirklichen Standort.

Elf Architektur-Highlights aus News York hat Anton Repponen insgesamt per Photoshop in die freie Natur versetzt. Der Hintergedanke: Auf diese Weise erscheinen die Gebäude dem Betrachter, als würde er sie zum ersten Mal überhaupt sehen. „Out of context, architectural forms become more pronounced and easily understood“, erklärt er auf seiner Projektseite misplaced.design. Der Designer und Fotograf mit Architektur-Hintergrund hat mit seinem Projekt jedenfalls für viel Resonanz im Web gesorgt – eine witzige Idee ist es allemal. Unbedingt selbst mal anschauen unter http://misplaced.design/!

Wohnen auf dem Wasser

Das hat nur, wer direkt am Wasser wohnt: eine Terrasse, die nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche beginnt. Foto: Hendrik Schwartz.

Das hat nur, wer direkt am Wasser wohnt: eine Terrasse, die nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche beginnt. Foto: Hendrik Schwartz

Ein Haus am Meer. Ein Haus am See. Wenn man nach der idealen Lage eines Traumhauses fragt, ist oft Nähe zum Wasser gefragt. Doch leider kann natürlich nicht jeder an einem See oder am Strand bauen. Von den Kosten ganz zu schweigen. Wird es billiger, wenn man die Wasserfläche künstlich schafft? Eher nicht, wie ein Beispiel aus Hamburg zeigt.

In Hamburg hat man im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 nicht nur am, sondern schon fast im Wasser gebaut: Die sogenannte Waterhouses im Bezirk Wilhelmsburg-Mitte stehen auf Pfählen in einem 4000 Quadratmeter großen Regenrückhaltebecken, das an das Wilhelmsburger Wettern- und Kanalsystem angeschlossen ist. Das hört sich recht unspektakulär an, von ihrer Wirkung her aber ist die Wohnsituation sehr maritim, sehr extravagant.

Betonflächen statt Strand: Hier sind man, dass die Waterhaouses nicht an einem natürlichen See oder Meer liegen, sondern an einem künstlichen Regenrückhaltebecken. Foto: Hendrik Schwartz

Pflastersteine statt Strand: Hier sind man, dass die Waterhouses nicht an einem natürlichen See oder Meer liegen, sondern an einem künstlichen Regenrückhaltebecken. Foto: Hendrik Schwartz

Insgesamt wurden vier Triplexhäuser gebaut, die jeweils aus drei separat zugänglichen, dreigeschossigen Wohnungen bestehen. Die Wohnungen sind zwischen 123 und 130 Quadratmeter groß. Dazu kommt der Watertower mit 22 Wohnungen auf neun Etagen, hier beträgt die Wohnfläche zwischen 60 und 129 Quadratmetern. Alle Wohnungen wurden schon vor der Grundsteinlegung verkauft – und das bei Preisen von 2500 bis 3400 Euro pro Quadratmeter. Offensichtlich kommt Wohnen auf dem Wasser mitten in der Stadt gut an.

Ausstattung und Wohngefühl müssen jedenfalls super sein – das legen jedenfalls Bilder aus dem Inneren der Häuser nahe. Das Erdgeschoss, das hier sinnigerweise Wassergeschoss heißt, ist jeweils mit viel Glas und direktem Blick aufs Wasser gestaltet. Dazu hat jede Wohnung eine Terrasse oder einen Balkon am Wasser, die Eigentümer der Waterhouses haben sogar eigene Bootsstege und können sich rund um ihre Terrasse einen Unterwassergarten anlegen.

Die Architekten von Schenk + Waiblinger Architekten aus Hamburg, die das Projekt zusammen mit Hochtief Solutions AG formart Hamburg umgesetzt haben, haben zudem besonders umweltfreundlich und energiesparend geplant. Die Waterhouses sind mit der DGNB-Zertifizierung in Gold der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet worden.

Ein Spaziergang durch Hamburg Hafencity

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück vom Sommerurlaub im hohen Norden. Die Architektur ist dort schon sehr verschieden von dem, was wir in Bayern kennen. Das hat mich sofort wieder an meine Reise nach Hamburg zur Internationalen Bauausstellung erinnert. Damals haben wir nicht nur neuartige Baukonzepte wie Selbstbau- und Systembauhäuser oder die innovative Energieversorgung mit Algen angeschaut, sondern sind auch sehr lange durch die Hafencity mit ihren imposanten Gebäuden gestreift. Diese Fotos habe ich jetzt wieder rausgesucht – hier sind sie! Typisch norddeutsch sind die Bauten als moderne Hochhäuser vielleicht nicht, architektonisch spannend aber allemal.

Hier muss man hinter die (Beton-)Fassade schauen

Betonfassade des Mehrfamilienhauses Kapuzinerstraße 37

Warum diese Fassade keine Fenster hat? Weil dahinter das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses liegt, das eine Barriere zwischen Verkehrslärm und Wohnräumen bildet. Foto: Hendrik Schwartz

Viel ist über das Haus in der Kapuzinerstraße 37 in Passau schon geschrieben worden. Denn es hat Aufsehen erregt mit seiner fensterlosen Betonfassade auf der Straßenseite. Doch wer sich alleine durch dieses ungewöhnliche, vielleicht abweisende Aussehen schon eine Meinung bildet, hat im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht alle Seiten betrachtet. Bei den Architektouren 2016 hat Architekt Bernd Vordermeier seine Planungen vorgestellt und erklärt – und wieder einmal meinen Verdacht bestätigt, dass manche Projekte umso kreativer ausfallen, je mehr Vorgaben und Beschränkungen es gibt.

Bei dem Neubau in der Kapuzinerstraße stellte vor allem der Hochwasserschutz eine Herausforderung dar. An Stelle des jetzigen Baus stand ein hochwassergeschädigtes Haus, das eigentlich saniert werden sollte. Allerdings stand bald fest, dass ein Ersatzbau die bessere Lösung ist. Der sollte drei Wohneinheiten umfassen, günstig sein und schnell errichtet sein – schließlich muss sich ein Mietshaus auch rechnen.

Erste Herausforderung: Hochwassergefahr

Garagenstellplätze Mehrfamilienhaus Kapuzinerstraße 37

An der Gebäudeseite befindet sich eine offene Zufahrt zu den Autostellplätzen im Erdgeschoss. Foto: Hendrik Schwartz

Ein komplett neues Haus ermöglichte komplett neue Lösungen für die bestehenden Probleme in dieser Lage. Der Hochwassergefahr begegnete Bernd Vordermeier, indem er das Erdgeschoss als Garage plante: Autos parken in einem offenen Raum unterhalb der Wohnebenen. Der Boden besteht aus Granitbruch – der wird schlimmstenfalls weggeschwemmt bei Hochwasser, mehr kann nicht passieren.

Zweite Herausforderung: Verkehrslärm

Die fensterlose Fassade hin zur Straße löst ein Problem, das für die Bewohner der Innstadt alltäglich ist: Verkehrslärm auf der stark befahrenen Straße. Es ist tatsächlich nicht ganz falsch, wenn man die fensterlose Fassade als „abweisend“ wahrnimmt –  sie hält einen großen Teil des Verkehrslärms ab. Ein Fenster raus auf die Straße, welcher Bewohner würde das schön finden? Wer würde das Fenster überhaupt öffnen wollen? Niemand vermutlich. Und so liegt längs der Straße hinter der fensterlosen Fassade das Treppenhaus und bildet in Betonbauweise und zum Teil nach oben hin offen (für den vorgeschriebenen Rauchabzug im Brandfall) eine Barriere zwischen Straße und Wohnungen.

Massivholzwände des Mehrfamilienhauses

Die Außenwände und tragenden Wände der Wohnräume sind aus Massivholz. Dies sorgt für eine angenehme Atmosphäre und ein gutes Raumklima. Foto: Hendrik Schwartz

Die wiederum bieten beste Aussichten in alle anderen Richtungen: Vom obersten Stockwerk aus schaut man aus einer großen Festverglasung direkt auf die Veste Oberhaus. Überhaupt: Es gibt im ganzen Haus nur zwei Fensterformate: „normale“ Flügelfenster und große Festverglasungen. Diese machen die Wohnungen hell und freundlich, ebenso trägt zu dieser Atmosphäre das viele Holz bei: Alle tragenden Wände sind aus Massivholz und als solche auch in den Räumen sichtbar.

Nicht beheizte Räume in Betonbauweise, der Rest in Massivholz mit einer Aluminiumfassade, und alles im KfW-70-Standard: Alle Herausforderungen wurden gemeistert, inklusive Budget und Bauzeit. Mit vielen durchdachten Planungen, ganz ohne Schnickschnack und mit oft verblüffend einfachen Lösungen für komplizierte Probleme ist das kompromisslose Low-Budget-Haus in der Kapuzinerstraße ein wahres Kunstwerk. Man muss nur genauer hinschauen – auch mal hinter die Betonfassade.

 

Last-Minute-Tipp Architektouren: Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt

Neubau Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt Innenraum

Beton ist der Baustoff, der den Charakter des Pfarrheims Herz Jesu bestimmt. Dazu wird Eichenholz kombiniert. Foto: Florian Holzherr

Während ich mir bei den Architektouren an diesem Wochenende ausschließlich Wohnhäuser anschauen werden – andere Projekte schaffe ich zeitlich nicht –, kann ich euch nur empfehlen, auch öffentliche Bauten und kommunale Projekte zu besichtigen, wenn ihr Zeit habt. Da gibt es wirklich innovative Architektur zu sehen. Für alle, die in und um Ingolstadt wohnen, habe ich noch einen Last-Minute-Tipp: Am Samstag, 25. Juni 2016, kann um 11 Uhr das Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt anlässlich der Architektouren besichtigt werden.

Der Neubau ersetzt den in der Nachkriegszeit als Notkirche gebauten und später als Pfarrheim genutzten Vorgängerbau. Der klare, minimalistische Baukörper sorgt für Kontraste: zur denkmalgeschützten Betonkirche mit überdachtem Umgang von 1963 genauso wie zu den Einfamilienhäusern in der Nachbarschaft. Holz, Glas und Beton prägen den Bau.

Außenansicht Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt

Die städtebauliche Setzung des Neubaus entlang der Straße signalisiert ein offenes, einladendes Haus. Foto: Florian Holzherr

Die Planung stammt von den Münchner Architekten bodensteiner ∙ fest, Annette Fest und Christian Bodensteiner. Ein offenes, einladendes Haus wollten sie bauen. Das zeigt sich sowohl daran, dass der Neubau an der Straße liegt, als auch an der Öffnung des Saals zum öffentlichen Raum. Mobile Trennwände machen die Fläche gut nutzbar.

Gestaltungsprinzip sind die an den Außenecken – zum Teil übereck – angeordneten Öffnungen, die die Fassade gliedern. Im kleinen Saal im Obergeschoss wiederholt sich die Übereckverglasung vertikal in Form einer Überkopfverglasung.

Garderobenhaken im Pfarrheim Herz Jesu in Ingolstadt

Anstelle einer Garderobe wurden eigens für das Projekt konzipierte Garderobenklapphaken aus Schwarzstahl flächenbündig in die Betonwand des Foyers eingelassen. Foto: bodensteiner · fest architekten stadtplaner bda

Wie bei der denkmalgeschützten Kirche ist Beton der Baustoff, der den Charakter des Gebäudes bestimmt. Minimalistisch werden Sichtbetonwände und -decken mit Eichenparkett und dem silbernem Eichenholz der Türen, Verkleidungen und Einbauten kombiniert. Verbunden mit einem zurückhaltenden, fein abgestimmten Farbkonzept verleiht dies den Räumen eine ruhige und warme Ausstrahlung.

Wer das Pfarrheim Herz Jesu besichtigen will: Die Adresse lautet Zeppelinstraße 88 in 85051 Ingolstadt. Termin ist Samstag, 25. Juni 2016, um 11Uhr. Weitere Informationen gibt es auf der Projektseite der Architektouren.