Die HYT: 15 Quadratmeter Glück

Die HYT an ihrem Winterstellplatz von außen.
Kleine Hütte von großartigem Design: die HYT am Wild-Berghof Buchet. Foto: Hendrik Schwartz

Mein Haus hat 154 Quadratmeter Wohnfläche, und dafür schäme ich mich manchmal ein bisschen. Denn natürlich brauchen zwei erwachsene Menschen nicht so viel Platz. Aber wie viel Quadratmeter reichen zum Wohnen? Und wie viele zum Glücklichsein? Sind zweieinhalb auf sechs Meter genug?

Tiny House zum Ausprobieren

Ein Kurzurlaub in der HYT soll es zeigen. Das mobile Scheunenhäuschen misst 15 Quadratmeter und steht am Wild-Berghof Buchet in Bernried im Landkreis Deggendorf. Was man von der ungeWOHNlichen Urlaubsunterkunft erwartet, bleibt jedem Gast selbst überlassen: Die HYT kann ein Tiny House zum Ausprobieren sein. Ein Rückzugsort, an dem nichts vom Nichtstun ablenkt. Ein Raum für perfekte Zweisamkeit ohne Ausflüchte. Oder einfach eine winzige Hütte, die mitten in der Landschaft steht und darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden.

Eine grundlegende Eigenschaft der HYT zeigt sich gleich nach der Ankunft auf dem großen Hof außerhalb von Bernried: Die HYT ist unkompliziert – und der Check-in ebenfalls. „Das ist der Schlüssel, die Fensterläden müsst ihr einhaken, wenn ihr sie zumacht, im Bettkasten liegt noch ein Rost, im Kühlschrank…“, setzt Gastgeber Thomas Gstettenbauer zu Erklärungen an und unterbricht sich dann selbst: „Schaut einfach mal, probiert aus und tüftelt ein bisschen rum, dann kommt ihr schon zurecht!“

Entdeckungstour in der HYT

Recht hat er: Die HYT muss man nicht erklärt bekommen. Viel spannender ist es, sie selbst zu entdecken. Die HYT ist nicht einfach eine Art hölzerner Bauwagen, in die man ein Bett und eine Kochgelegenheit eingepasst hat. Die HYT ist vielmehr ein Sammelsurium raffinierter Architektur- und Designideen. Der begrenzte Raum wird optimal genutzt, zum Beispiel durch multifunktionelle Elemente und fantasievolle Verstaumöglichkeiten. Eine Holztür kann tagsüber beispielsweise die Schrankfächer verbergen, damit alles schön aufgeräumt aussieht. Nachts aber, wenn man im Bett liegt und von dort aus sowieso nicht in die Schrankfächer schauen kann, schwenkt man die Holztür um 90 Grad und teilt somit den Schlafraum ab und schützt ihn vor neugierigen Blick, die durch die verglaste Eingangstür fallen könnten.

Einschlafen mit Blick auf den Sternenhimmel

Der Schrank ist übrigens noch von der anderen Seite zugänglich – dort lässt sich genau das Fach öffnen, in das der Kühlschrank eingebaut ist. Denn obwohl die HYT winzig ist: Wer es sich einmal drinnen gemütlich gemacht hat, muss nicht mehr raus, wenn er nicht will. Es gibt einen Kühlschrank, einen Herd, ein Waschbecken, einen Holzofen und eine Toilette – alles untergebracht im vorderen Teil der HYT. Hinten gibt es rechts und links je ein Bett, das sich kojenartig an die Wand schmiegt. Zwischen das rechte und linke Bett lässt sich ein Rost einhängen, so dass eine durchgängige Liegefläche entsteht. Dann reicht es, eine der Matratzen in die Mitte zu schieben – schon hat man sich selbst ein Doppelbett gebastelt. Unwillkürlich wird in der HYT jeder zum Seitenschläfer, denn wer auf der Seite liegt, schaut direkt raus in die Natur. Wer nicht einschlafen kann (so wie ich), blickt stattdessen in den Sternenhimmel. Und wer schläft wie ein Murmeltier (meine Begleitung), der macht morgens die Augen auf und hat sofort was zu entdecken. Je nach Standort der HYT kann der morgendliche Blick in die Natur ganz unterschiedlich ausfallen.

Blick auf das kojenartige Bett in der HYT mit kleinem Fenster neben dem Kopfteil.
Wer im Bett liegt, muss nur den Kopf drehen, um die Natur im Blick zu haben. Foto: Hendrik Schwartz

Während wir bei unserem Aufenthalt in der HYT direkt auf das Muffelwild-Gehege schauen, lassen sich andere Gäste vielleicht lieber vom Waldrand verzaubern. Vorteil der HYT ist, dass sie mobil ist. Diesen Aspekt will Gastgeber Thomas Gstettenbauer in Zukunft noch mehr betonen. Sein Plan: Zur HYT gesellen sich noch zwei weitere, und wer eine davon bucht, sucht sich gleich den Wunsch-Stellplatz aus. Neun Optionen soll es dann geben, schon perfekt ausgerüstet mit Feuerstelle und allerlei Annehmlichkeiten.

Gewinner des German Design Award

Doch bis zur Umsetzung dieses Plans ist die HYT noch ein Prototyp, ein Unikat. Ein ausgezeichnetes übrigens: 2018 hat die HYT den German Design Award gewonnen. Mit dem Preis werden innovative Projekte ausgezeichnet, die als „wegweisend“ eingestuft werden. Eine weitere Bestätigung für Thomas Gsettenbauer und den Architekten Christian Zellner. „Unser prominentestes Projekt bisher“ schreibt Letzterer auf den Internetseiten der Hausfreunde Architekten GbR. Eine ganze Liste an Nominierungen für Architekturpreise und Veröffentlichungen kann die HYT mittlerweile schon aufweisen. „Kaum hatten wir die HYT, kam der Tiny-House-Trend aus den USA“, versucht Thomas Gstettenbauer eine Erklärung. Ein Zufall, der zur Beliebtheit der hübschen Hütte beiträgt. Aber nicht der einzige Grund, die HYT liebzugewinnen.

Einmal Tiny-House-Feeling. Oder Zweisamkeit. Oder Ruhe. Was immer sich die Urlauber von der HYT erhoffen, sie bekommen auf jeden Fall mehr: nämlich einen Eindruck davon, was gute Architektur und durchdachtes Design können. Weiß lasiertes heimisches Holz, eine klare Gliederung und viele Fenster machen die HYT zur hellen, ruhigen Wohlfühlumgebung, die mit Details überrascht. Wer sich zum Beispiel einen größeren Essplatz bauen will, kann unter dem Waschbecken ineinandergeschobene Tisch- und Hockerelemente finden. Zieht man sie raus, entdeckt man nicht nur, dass hier wirklich maßgenau geschreinert wurde. Sondern staunt auch, wie fein und durchdacht die Griffmulden im massiven, weiß lasierten Holz gearbeitet sind. Hier waren Handwerkskunst, Kreativität und Leidenschaft am Werk. Das macht für mich die HYT zur großartigen Urlaubsunterkunft – mag die Quadratmeterzahl auch noch so klein sein.

Der Schlüssel zur HYT mit einer kleinen stilisierten Hütte aus Holz als Anhänger.
Der Schlüssel zum kleinen Glück – und die Garantie für einen erholsamen Kurzurlaub. Foto: Hendrik Schwartz

Die HYT ganz unkompliziert buchen

Buchen kann man die HYT übrigens direkt beim Wild-Berghof Buchet unter Telefon 09905 248 oder direkt über die Internetseite https://wildberghof-buchet.de/hyt-huett. Für zwei Personen kostet eine Übernachtung 98 Euro, dazu gibt es eine kleine Brotzeit mit leckerem Bauernbrot und Salami vom Hof. Wer sich nicht damit begnügen mag, die faszinierenden Details der HYT zu entdecken, kann rund um die Wildgehege zu einem langen Spaziergang aufbrechen. Oder im Hofladen stöbern. der ganzjährig täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist.

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