Heizung überflüssig: Komfortabel wohnen im Passivhaus

Passivhaus Engler in Burghausen Außenansicht

Große Fensterflächen im Süden lassen viel Sonne ins Passivhaus − das und die gute Dämmung machen eine konventionelle Heizung überflüssig. Foto: Karin Polz

Nie Heizöl oder Pellets kaufen. Niemals schlechte Luft in den Wohnräumen. Keine Angst vor Schimmel haben müssen. Wer ein Passivhaus baut, kann diese Vorteile genießen, energiesparend und komfortabel wohnen. Nach den Zertifizierungskriterien des Passivhaus-Instituts Darmstadt darf ein Passivhaus einen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden − den Energiegehalt von etwa 1,5 Liter Heizöl − pro Quadratmeter pro Jahr nicht übersteigen. Das sind 90 Prozent weniger als bei einem herkömmlichen Gebäude im Bestand.

Es waren nicht nur die Energiekosten, die Nina und Johannes Engler aus Burghausen überzeugt haben, ein Passivhaus zu bauen. „Wir hatten das Grundstück reserviert und waren uns sicher, dass wir unsere Doppelhaushälfte in Holzbauweise bauen wollen. Von Manfred Gruber ließen wir uns dann von den Vorteilen des Passivhauses überzeugen“, erzählt Nina Engler.

Esszimmer und Küche im Passivhaus Enger

Offene Wohnräume, viel Licht und immer angenehm temperiert: Die Englers schwärmen von dem Raumklima. Foto: Nina Engler

Der Inhaber von Holzbau Gruber aus Kirchweidach wohnt selbst in einem Passivhaus, ist Mitglied im Passivhaus-Kreis Rosenheim-Traunstein und baut nach eigenen Angaben zu 90 bis 95 Prozent Passivhäuser. Das Haus der Englers ist auch für ihn ein besonderes: Es wurde vom Passivhaus-Institut zertifiziert und darf ein offizielles Siegel tragen. Das können nicht viele Häuser von sich behaupten − im Landkreis Altötting ist es ein einziges, im Landkreis Mühldorf und Bad Reichenhall gibt es gar kein zertifiziertes Passivhaus, im Landkreis Traunstein fünf Häuser und im Landkreis Rosenheim ebenfalls fünf. Dies war der Stand im Januar 2014 nach Angaben des Passivhaus-Instituts. Von insgesamt 25.000 Wohneinheiten im Passivhaus-Standard sind in Deutschland nur etwa zehn Prozent zertifiziert nach den Kriterien des Passivhaus-Instituts.

Vieles, was sich die Englers für ihr 139 Quadratmeter großes Zuhause gewünscht hatten, konnte mit der Passivhaus-Bauweise umgesetzt werden. Sie hatten sich ein Grundstück mit Ausrichtung nach Süden ausgesucht, so kann die Wärme der Sonne ausgenutzt werden − eine wichtige Voraussetzung. Große Fenster wünschte sich Nina Engler sowieso − dass es nun spezielle Passivhausfenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung und überdämmten Rahmen sind, die Sonnenstrahlen reinlassen, aber die Wärme nicht mehr rauslassen, kann ihr nur recht sein. Die Bodenplatte auf einer 40 Zentimeter dicken Schicht aus Glasschaumschotter und die  42 Zentimeter dicken Wände halten schön warm. Bau- und Dämmstoffe sind zudem fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen.

Zertifizierungsschild für Passivhaus Engler

Dass das Haus Engler ein zertifiziertes Passivhaus ist, beweist dieses Schild neben der Haustür. Foto: Karin Polz

Südausrichtung, Dämmung, keine Wärmebrücken − viel physikalisches Wissen, Berechnen und genaues Arbeiten sind für ein Passivhaus notwendig. Dazu kommt eine ausgeklügelte Technik: Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für frische Luft. Beim Austausch wird der verbrauchten Luft die Wärme entzogen und die frische Luft damit angewärmt. Weitere Heizleistung für Wohnräume und Warmwasser stellt ein Wärmepumpen-Kompaktgerät bereit. Es hat die Größe eines Gefrierschranks und die Leistung eines Haarföns. Der Betrieb kostet die Englers umgerechnet einen Euro Strom pro Tag. Da ansonsten keine Heizung benötigt wird, hat das Haus der Englers keinen Kamin −  das spart Kosten. Dafür haben sich die Englers eine Photovoltaikanlage geleistet. „Rein rechnerisch ist es sogar ein Plusenergiehaus“, freut sich Manfred Gruber.

„Ich empfehle allen Freunden, ein Passivhaus zu bauen“, sagt Nina Engler. „Es ist einfach das beste Raumklima; ich habe in den vergangenen 30 Jahren nie in einem besseren gewohnt.“ Vorurteile, wie dasjenige, dass man nie die Fenster öffnen darf, entkräftet sie mit einem Lächeln: „Ich darf die Fenster öffnen, ich muss aber nicht.“

Tage des Passivhauses 2014

Wie lebt es sich in einem solchen Haus? Wer sich so ein Gebäude näher anschauen und mit Planern und Bewohnern sprechen möchte, kann die „Tage des Passivhauses“ nutzen. Von 7. bis 9. November 2014 öffnen viele Passivhäuser ihre Türen. Einen Überblick gibt es unter www.passivhausprojekte.de.

Dieser Text ist erstmals im Lokalteil Altötting der Passauer Neuen Presse vom 1. November 2014 erschienen.

Der Strom kommt vom Hausdach

Das Holz Polz mit der Photovoltaikanlage im September 2014

Fleckerlteppich auf dem Dach: Die Kollektoren fürs Warmwasser und die Photovoltaikanlage teilen sich das Dach auf der Ostseite. Foto: Hendrik Schwartz

Architektonisch gesehen ist so eine Photovoltaikanlage nicht gerade ein Gewinn fürs Haus. In Hinblick auf eine möglichst umweltfreundliche Energieerzeugung, Kohlendioxideinsparung und Stromkosten aber durchaus ein Lichtblick.

2405 Kilowatt hat unsere Photovoltaikanlage seit Juni 2014 bereits erzeugt, dadurch 1,7 Tonnen Kohlendioxid vermieden und ein paar hundert Euro Strom erwirtschaftet. Auch wenn wir dafür erst einmal ein bisschen Geld investieren mussten, sind wir der Meinung: Das lohnt sich.

Diagramm zur Stromerzeugung am 6. Juni 2014

Ein guter Tag: Die Anlage war erst einige Tage in Betrieb, als wir schon diesen äußerst ertragreichen Tag verzeichnen konnten. Grafik: Sunny Portal

Unsere Photovoltaikanlage leistet 5,865 Kilowatt Peak, die Module sind auf beiden Dachseiten angebracht und haben damit eine Ost- beziehungsweise Westausrichtung. Bestenfalls haben wir dadurch einen Teil des Jahres sowohl morgens vor der Arbeit als auch abends nach der Arbeit noch etwas eigenen Strom.

Wir versuchen, so gut es geht, den Strom selbst zu nutzen. Die Spülmaschine oder den Wäschetrockner betreiben wir bevorzugt dann, wenn die Sonne scheint, das klappt allerdings nicht immer. Eine Speichermöglichkeit haben wir für den Sonnenstrom nicht. Was wir nicht brauchen, geht ins Stromnetz. Und vielleicht irgendwann später einmal in die Batterie eines Elektroautos.

Für alle, die ein paar Daten zur Photovoltaikanlage wissen möchten, hier ein kleiner Überblick.

Augen auf in Vorarlberg

Ein modernes Holzhaus in Bezau in Vorarlberg.

Ein modernes Holzhaus in Bezau in Vorarlberg.

Wer Architektur liebt, sollte Urlaub im österreichischen Bundesland Vorarlberg machen. Aber er sollte dabei tunlichst vermeiden, selbst mit dem Auto durch die Region fahren zu müssen. Denn wenn man ständig verzückt schauen muss, welche bewundernswerten Gebäude rechts und links der Straße stehen, kann man sich halt schlecht auf den Verkehr konzentrieren.

Holzhaus in Bezau

Holzhäuser passen sich durch ihr Baumaterial an die alte Bebauung an.

Mir ging es jedenfalls so – am liebsten hätte ich ständig am Straßenrand gehalten, um die Häuser genauer anzuschauen. Ein Spaziergang auch durch kleinere Orte ist wie ein Besuch im Musterhauspark – nur, dass die Häuser in den Vorarlberger Orten wesentlich schöner sind als die meisten Musterhäuser. Einer der ersten zehn Plätze wäre Vorarlberg bei einem Ranking der Welt-Architekturregionen gewiss, glaubt Bregenzerwald Tourismus und listet auf seinen Internetseiten und in Broschüren reihenweise sehenswerte Bauten auf.

Ein Holzhaus mit Flachdach in Bezau.

Flach und große Fenster: ein weiterer Hingucker am Straßenrand.

Aber warum gibt es nun gerade in Vorarlberg so viele schöne Bauten? Weil jedes vierte Wohnhaus von einem Architekten geplant wird, und weil diese ihre ganz eigenen Vorstellungen von Architektur pflegen – regional, nachhaltig, wohnlich. Der Nutzwert war immer wichtig, betonen Experten. Und es wird viel Holz verbaut – und weil das seit Jahrhunderten in Vorarlberg so ist, passen die neuen Häuser in modernen Formen auch gut zu den alten Häusern – das gemeinsame Baumaterial verbindet. „Klare Linien, Glas und Holz aus heimischen Wäldern charakterisieren die neuen Gebäude, die zudem wahre Energiesparmeister sind“, heißt es beim Vorarlberg Tourismus. „Das ist in Vorarlberg praktisch bereits üblich geworden, dass man hier modern baut“, sagt Matthias Amann von der Vorarlberger Holzbaukunst in einem Video, das hier auf Youtube zu sehen ist. Architektur, Ökologie und gutes Handwerk hält er für das erfolgversprechende Dreieck.

Am spannendsten für mich waren natürlich die Wohnhäuser, auch wenn viele Schulen, kommunale Einrichtungen, gewerbliche Bauten und Hotels ebenfalls einzigartige Architektur vorweisen können. Die privaten Bauten kann man natürlich nicht besichtigen, aber schon bei einem Spaziergang bekommt man vom Gehsteig aus spannende Einblicke – ein paar sind hier zu sehen.

Flachdachhaus in Bezau.

Gute Aussichten - sowohl für die Hausbewohner, als auch für die Spaziergänger in Bezau, die auf den Hang blicken.

Für mich zeigt sich im Vorarlberg, dass es sich erstens lohnt, mit Architekt zu bauen: Die Qualitätsunterschiede zu einer bayerischen Wohnsiedlung sind eigentlich für jeden Laien deutlich sichtbar. Zweitens zeigen die Häuser ganz deutlich, dass moderne Architektur sehr wohl wohnlich und praktisch sein kann. Wer vorhat, demnächst zu bauen, sollte einen Kurzurlaub im Bregenzer Wald unbedingt einplanen – es gibt dort nämlich auch ein paar Hotels, die neben guter Architektur auch gute Erholung versprechen. Und gute Anregungen fürs eigene Haus sind sowieso garantiert!