Das großartige kleine Konzerthaus von Blaibach

Rückseite des Konzerthauses Blaibach

Von hinten ist gut erkennbar, dass der Bau weder im Erdboden versinkt noch über die Kante des Dorfplatzes gekippt ist. Von vorne sieht es aber durchaus so aus. Als „gekippter Steinklotz“ wird das Konzerthaus daher häufig beschrieben. Foto: Kulturwald gGmbH

Die Opernhaus in Sydney, die Elbphilharmonie in Hamburg – es gibt einige Beispiele dafür, dass Konzerthäuser und beeindruckende Architektur gut zusammenpassen. In der Oberpfalz zeugt ein weitaus kleineres, aber genauso interessantes Bauwerk von dieser Erfolgs-Kombination: das Konzerthaus in Blaibach. Knapp 200 Plätze hat es und zählt doch in Hinblick auf Programmgestaltung und Architektur zu den ganz großen Namen im Kulturbereich. Klar, dass ich da unbedingt mal hin will. Wenn schon in der Nähe ( nun ja, in etwas mehr als hundert Kilometern Entfernung) ein Bau steht, über den sogar Zeitungen wie die Die Welt berichtet haben. Als „avantgardistischer Kubus“ wurde das Konzerthaus dort beschrieben.

Wer ein Ticket kaufen will, muss früh dran sein

Mit Spannung geht es also nach Blaibach. Aber erst nach langer Wartezeit. Denn die Konzerte sind immer schnell ausverkauft. Ein gutes halbes Jahr im Voraus sollte planen, wer sich ein Ticket sichern möchte. Wir kommen in Blaibach an, als es schon dunkel wird. Außerdem regnet es. Trotzdem muss ich das Gebäude noch von allen Seiten in Augenschein nehmen, bevor es ins Trockene geht. Ein Betonklotz mit Granitfassade mitten in der dörflich wirkenden Ortsmitte. Aber nicht einfach hingeklotzt: Der rechteckige Bau sieht aus, als wäre er nach hinten umgekippt. Als wäre ein großer Teil des Konzerthauses nach hinten unten verschwunden, versunken im Dorfplatz von Blaibach.

Ein bisschen wie in einer Höhle

Rauer Beton, steil ansteigende Sitzreihen und puristische Drahtstühle: Viele Details der Innengestaltung sind der Akustik geschuldet. Das Konzerthaus ist eine moderne Höhle für höchste Konzentration auf die Musik. Foto: Hendrik Schwartz

Der Eingang ist daher auch nicht ebenerdig, auch geht man keine Stufen hinauf, wie es sonst häufig bei wichtigen, imposanten Bauten der Fall ist. Sondern es geht zahlreiche Stufen hinunter. „Wie in einen Schutzbunker“, schimpfen Kritiker der modernen Architektur. Für mich fühlt es sich eher an, als würde man ins Erdinnere verschwinden. Höhlenartig geht es auch drinnen weiter: Durch schmale Gänge, die ein paar Mal abknicken, geht es fensterlos weiter zu Garderobe und Toiletten. Auch hier steht Design im Vordergrund – alleine das Detail, wie die Toilettentüren geschlossen werden, ist einen genauen Blick wert.

Zielstrebig geht es zum Konzertsaal, der sich weit und steil öffnet. Auch hier sind die Unterschiede zu anderen Kultureinrichtungen spürbar: Statt von oben kommt man hier von unten in den Konzertsaal. Man spaziert über die Fläche, wo später die Musiker stehen, also quasi über die Bühne, und steigt steil hoch bis zu seinem Platz. Die Trennung zwischen Bühne und Publikum wird so zu Teil aufgehoben – das wirkt sofort, als wäre man ungeWOHNlich nah dran am Künstler. Überhaupt finde ich es äußerst angenehm, so abgeschnitten von der Außenwelt, gefühlt im Erdinnern und ohne Ablenkung von außen mich ganz auf das Programm konzentrieren zu können. Abtauchen in eine andere Welt, nicht nur dank der Musik, sondern auch dank der Architektur.

Viele Architekturpreise gehen nach Blaibach

Für mich ist der Entwurf von Architekt Peter Haimerl so außergewöhnlich wie stimmig. Und das sehen auch viele andere so, sonst hätte das Konzerthaus Blaibach nicht schon zahlreiche Architekturpreise und Auszeichnung gewonnen, wie beispielsweise den Artouro (Bayerischer Tourismus Architekturpreis). Der Plan, das Ortszentrum von Blaibach dadurch zu revitalisieren, ist aufgegangen. Natürlich gibt es immer noch Diskussionen um Baukosten und Unterhalt. Oder darüber, ob die Akustik in dem Saal wirklich so gut ist, wie es die detaillierte Planung der Ausrichtung und Oberflächen der Wände verspricht. Für mich zählt vor allem, dass ich mich in der besonderen Atmosphäre des Konzerthauses vollkommen wohlfühle. Die faszinierende Architektur macht das Kulturerlebnis nur noch erinnerungswürdiger. Ich jedenfalls werde mir bestimmt bald mal wieder ein Ticket für ein Konzert in Blaibach gönnen (falls ich früh genug dran bin). Und das war ja wohl auch das Ziel des Projekts: Leute anlocken und begeistern. Bei mir hat es geklappt.

Das ganze Orchester im Blick: Durch die steile Anordnung der Sitzreihen hat man von jedem Platz aus einen perfekten Blick auf die Musiker. Foto: Hendrik Schwartz
So schön kann Beton sein: Licht und Schatten, Fugen und Strukturen machen die Innenwand fast schon zum Kunstwerk. Foto: Hendrik Schwartz

Stadt, Land, Meer: Für jeden Urlaubswunsch das richtige Ziel

Ob Citytrip oder Strandurlaub: Jede Reise wird gleich viel schöner, wenn die Unterkunft nicht nur gut ausgestattet und sauber, sondern auch schön und einzigartig ist. Architektonisch anspruchsvolle Urlaubsdomizile stellt das Buch „Urlaubsarchitektur Selection 2018“ vor, über das ich bereits im vergangenen Blogbeitrag berichtet habe. Nun habe ich – begünstigt durch schmuddelige Regentage und anhaltende Urlaubssehnsucht – weitere drei Urlaubsarchitektur-Reiseziele herausgesucht, die ich euch ans Herz legen möchte. Für jeden Reisetyp ist ein Ziel dabei, denn außergewöhnliche Architektur gibt es in der Großstadt, auf dem Land und natürlich auch am Meer.

Stadt: Design und Kunst in Lissabon

Ein Zimmer der Ferienwohnungen von myhomeinlisbon

Zwischen Sichtbetondecken und Natursteinböden ist jedes Zimmer von myhomeinlisbon individuell, farbenfroh und mit Gespür für Schönes eingerichtet. Foto: Juan Baraja

Mitten in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon liegt das Bed & Breakfast myhomeinlisbon. Die traditionelle Fassade beweist, dass es sich um ein altes Stadthaus handelt, das von der Eigentümerin mit Hilfe des Architekturbüros Ábaton Arquitectura modern umgebaut wurde. Die neun Gästezimmer beeindrucken nun durch großzügige Zuschnitte, einzigartige Ausblicke und eine individuelle Einrichtung. Schlichte Natursteinfußböden und Sichtbeton steht dabei in Kontrast zu Vintagemöbeln, farbenfrohen Textilien, Designerstücken und Kunstwerken. Ein perfekter Ausgangspunkt, um die charmante Stadt Lissabon zu erkunden!

Land: Vom alten Stall zum Ferienhaus

Außenansicht der Finca Extremadura im Westen Spaniens

Raue Natursteine und große Fensterfronten prägen die Finca Extremadura, die als Neubau an der Stelle eines alten Stalles steht. Foto: Belen Imaz

Die Finca Extremadura steht im Westen Spaniens, im am dünnsten besiedelten Teil des Landes. Was Urlauber dort erwarten können: Ruhe, weite Hügellandschaften, wenig Ablenkung von der Natur. An der Stelle eines alten baufälligen Stalls wurde das Ferienhaus gebaut, die Form richtet sich nach dem Vorgängerbau, teils wurden sogar alte Steine verwendet. Neu dagegen sind die großen Fensterfronten mit Holzschiebetüren als Verdunkelung und Wärmeschutz. Im Erdgeschoss ermöglichten Stahlträger einen großen offenen Raum. Ein langer Esstisch steht im Mittelpunkt der Wohnräume. Die Schlafräume befinden sich im Obergeschoss, dort, wo früher der Heuboden war. Vier Doppelzimmer und ein Schlafsaal machen das Ferienhaus für bis zu 16 Personen nutzbar. Die Architekten der Finca Extremadura sind übrigens Camino und Carlos Alonso, Architekten des Architekturbüros Ábaton Arquitectura, das – richtig! – auch die Stadtwohnung in Lissabon umgebaut hat.

Meer: Alt und neu als stilvolle Einheit

Blick auf die neu eingebaute Stahltreppe in der Casa Antica

Den Unterschied zwischen alter Bausubstanz und neuer Ausstattung wird stark betont in Casa Antica. Foto: Nikos Danilidis

Schlafzimmer in der Casa Antica

Lädt zum Träumen ein: das Schlafzimmer mit der historischen Rundbogendecke. Foto: Nikos Danili

Und noch ein altes Gemäuer, das jetzt architektonisch ansprechend in neuem Glanz erstrahlt: Casa Antica im Süden Griechenlands. Wohnen können Urlauber in einem Steinhaus aus dem 19. Jahrhundert, das typisch für die Gegend auf der griechischen Halbinsel Peloponnes ist. Alte Bausubstanz und neue Ein- und Umbauten sind deutlich zu entscheiden, was den Charakter der Casa Antica ausmacht. So ist die neue Treppe beispielsweise aus Stahl und in leichter, offener Bauweise ein starker Kontrast zu den massiven Steinwänden. Einen Panoramablick aufs Meer hat man von den Wohnräumen in der obersten Etage. Für mich ist der schönste Raum aber ein Schlafzimmer im Erdgeschoss: Es hat eine historische Rundbogendecke und ist ansonsten sehr schlicht gehalten. Allerdings: Viel Zeit wird man im Schlafzimmer nicht verbringen, wenn draußen das Meer, der Pool, Terrassen und malerische Innenhöfe warten.

Noch mehr Urlaubsdomizile finden sich übrigens nicht nur im Buch „Urlaubsarchitekturen Selection 2018“, sondern auch im Internet unter www.urlaubsarchitektur.de.

Ein modernes Zuhause für die Geschichte der Kelten und Römer

Die Außenansicht des Kelten Römer Museum Manching

Die Beschriftung zeigt unübersehbar, um was es im Museum geht. Foto: Hendrik Schwartz

Außen modern, innen mehr als 2000 Jahre Geschichte: Im Kelten Römer Museum Manching bei Ingolstadt stoßen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander. Und das nicht nur in historischer, sondern auch in architektonischer Hinsicht.

Während man in der umfangreichen und informativen Ausstellung unter anderem erfährt, wie die Kelten ihre Häuser bauten (mit viel Holz), entdeckt man im und am Museumsgebäude selbst, was moderne Architektur kann. Fischer Architekten aus München haben einen schlicht geformten Bau entworfen, der mit Beton und Glas einen klaren Kontrast zum Ausstellungsthema setzt. Dabei thront das Obergeschoss mit der Hauptausstellungsfläche wie eine überdimensionale Glas-Vitrine auf einem zum Teil offenen Betonsockel. Zu erreichen ist der Eingang im Obergeschoss nur über einen rund 80 Meter langen Steg – wer das Museum besucht, überwindet auf dem Weg zum Eingang symbolisch nicht nur viel Raum, sondern auch viel Zeit. Doch der Steg hat auch eine praktische Funktion: Denn das Museum liegt zwischen Paar und Augraben, der Steg führt über die Flutmulde.

In der Dauerausstellung des Kelten Römer Museum Manching

Schlichte Formen, zurückhaltende Materialien: Im Museum spielen die Exponate die Hauptrolle. Foto: Hendrik Schwartz

Im Museum lenkt nichts von den Exponaten ab – auch wenn architekturinteressierten Besuchen natürlich auffällt, wie durchdacht und modern die die Räume gestaltet sind. Raumhohe Verglasung auf der einen Seite, dazu Zementestrich: Schlichte und zeitlose Gestaltung schafft eine perfekte Kulisse für die Exponate aus der Vergangenheit. Geschirr und Waffen, Münzen und Schmuck, Knochen und Werkzeuge werden in Hängevitrinen präsentiert; auch in den Boden sind Vitrinen eingelassen, und in einem schneckenförmigen Raum-im-Raum präsentiert sich geheimnisvoll der Goldschatz.

Besondern eindrucksvoll ist die Römerausstellung im Sockelgeschoss: In einem weiten und hellen Raum befinden sich Schiffswracks, die ganz in der Nähe gefunden wurden. 1986 entdeckte man die hervorragend erhaltenen römischen Militärschiffe aus der Zeit um 100/110 nach Christus in einem trockenen Flussbett. Sie stammen aus der Zeit, als sich in Manching ein römisches Kastell für mehrere hundert Soldaten befand.

Römerausstellung mit Schiffswracks des Kelten Römer Museum Manching

Die beiden Schiffswracks wurden 1986 in einem trockenen Flussbett entdeckt. Foto: Hendrik Schwartz

Die Blütezeiten der Keltenstadt waren da schon längst vorbei. Mehr als 2000 Jahre ist es her, dass Manching ein Oppidum mit 5000 bis 10.000 Bewohnern darstellte, mit fortschrittlichem Handwerk, florierendem Handel und sogar einem Hafen. Was wohl noch alles in dem Boden rund um das Museum liegen mag? Nur etwa sieben Prozent der Keltenstadt sind bisher ausgegraben. Entdeckt wurden das spannende Erbe der Kelten und Römer vor allem deshalb, weil in Manching ein Militärflughafen in den 1930er gebaut und seitdem immer wieder erweitert wurde. Während in den 1930er Jahren große Teile der ursprünglichen Keltenstadt zerstört wurden, bestand man später darauf, dass vor Baumaßnahmen erst die Archäologen die historischen Spuren sichern dürfen.

Das 2006 eröffnete Museum erzählt die Geschichten aus keltischer und römischer Zeit spannend und in einem ansprechenden Rahmen. Auch wer sich nicht für Architektur interessiert, ist in dem architektonisch beeindruckendem Museum gut aufgehoben. Das Museum liegt übrigens verkehrsgünstig nahe der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg. Auch für einen Zwischenstopp auf einer längeren Autofahrt ist es somit perfekt geeignet – von der Ausfahrt Manching ist es in nur fünf Minuten zu erreichen, Parkplätze sind ausreichend vorhanden.

Weitere Informationen zum Kelten Römer Museum Manching gibt es unter www.museum-manching.de.

Altstadt Vienna: Kein Hotel für eine Nacht

Blick in ein von Matteo Thun gestaltetes Hotelzimmer

Gleich acht Zimmer im Altstadt Vienna wurden von Matteo Thun gestaltet. Er hat sich beim Design auf eine Zeitreise ins frühe 20. Jahrhundert begeben.

Architekturfans MÜSSEN dieses Hotel mehrmals besuchen. Denn schließlich kann man immer nur in einem Zimmer schlafen. Zum Beispiel in dem von Matteo Thun. Beim nächsten Hotelaufenthalt könnte man sich dann in das Atelierzimmer von Gabriel Kacerovsky einbuchen. Und beim dritten Mal in die Josef-Frank-Suite von Svenskt Tenn. Aber selbst nach drei Besuchen ist ein aufmerksamer Gast im Hotel Altstadt Vienna noch lange nicht damit fertig, all die Architektur- und Designdetails zu entdecken, die das Hotel so einzigartig machen. Gerade sind wieder vier neue Zimmer dazugekommen.

In rund 60 Zimmern auf fünf Etagen haben Gäste des Vier-Sterne-Boutiquehotels Altstadt Vienna mittlerweile die Gelegenheit, Kunst, Design und Architektur zu entdecken. In ganz Wien gibt es vermutlich nichts Vergleichbares: Das 1902 erbaute und nach und nach umgestaltete Wohnhaus im siebten Wiener Bezirk am Spittelberg ist genau so spannend wie ein Architektur- und Designmuseum (oder noch spannender – in einem Museum darf man schließlich nicht wohnen). Inhaber Otto E. Wiesenthal sammelt nicht nur Kunst, er „sammelt“ auch Design und Architektur. Immer wieder lädt er Architekten, Designer und Künstler dazu ein, ein oder mehrere Hotelzimmer zu gestalten.

Frei stehende Badewanne im Hotel Altstadt Vienna

Eine frei stehende Wanne gehört zur Suite, die Matteo Thun gestaltet hat.

Vorgaben gibt es kaum – einzig das Wiener Lebensgefühl muss in dem Zimmer spürbar werden. 2006 hat der Südtiroler Stararchitekt und Designer Matteo Thun dies kreativ umgesetzt. Acht Zimmer und eine Suite hat er im Stil des frühen 20. Jahrhundert gestaltet. Parkett aus gebeizter Eiche, pompöse Kronleuchter, Tapeten mit Damastmuster und rotes Samtmobiliar spiegeln den damaligen Zeitgeist wider. Einige Möbel wie zum Beispiel der Schreibtisch wurden von der österreichischen Möbelwerkstätte Wittmann nach Zeichnungen von Matteo Thun entworfen. Mit großformatigen Aktfotografien wird an Josefine Mutzenbacher, Wiens berühmteste Dirne, erinnert. In das schwarze Wandmosaik eingearbeitete Swarovski-Steine verleihen den Badezimmern das gewisse Etwas.

Hotelzimmer gestaltet von Polka

Im Hotelzimmer des Wiener Designduos POLKA dominieren elegante Hell-Dunkel-Kontraste.

Ganz andere Ansätze verfolgen dagegen die beiden Zimmer des Wiener Designduos POLKA: eines elegant im Hell-Dunkel-Kontrast, das andere mit vielen Anspielungen zum Thema „Naschen“. Von Retrochic hat sich wiederum Modedesignerin Lena Hoschek bei der Gestaltung einer Suite inspirieren lassen, von orientalischen Elementen der Modedesigner Atil Kutoglu. Auch ein Architektenteam rund um Gabriel Kacerovsky sowie Starstylist Andi Lackner haben sich im Altstadt Vienna ausgetobt, ebenso die Innenarchitekten von Svenskt Tenn. Diese haben eine Suite dem Andenken an den Designpionier Josef Frank gewidmet. Mutige Muster und mutige Möbel mischen sich zu einer fröhlichen Atmosphäre.

Die vier aktuellen Neuzugänge sind Zimmer von Lilli Hollein, Gregor Eichinger, Adolf Krischanitz und Roland Nemetz. Natürlich hat auch von ihnen jeder ganz eigene Akzente gesetzt. Selbst entworfene Teppiche und Einzelstücke wie Stühle und Bänke sorgen für eine persönliche Note. Bei der Einrichtung griffen die Architektur- und Designexperten auch auf Möbel und Accessoires aus Wiener Manufakturen, Fundstücke von Antiquitätenmärkten der Stadt und Bilder von Wiener Künstlern und Fotografen zurück.

Hotelzimmer gestaltet von Agil Kutoglu

Modedesigner Agil Kutoglu hat sich von orientalischen Einflüssen inspirieren lassen.

Zeitlose Eleganz versprüht das Zimmer 64, das Adolf Krischanitz gestaltet hat. Praktische Schränke, ein hohes Maß an Funktionalität und bequeme Sitzmöbel sind für den in Schwarzach im Pongau geborenen Möbeldesigner und Architekten essenziell. Ein künstlerisches Highlight ist die Wandgestaltung. „Ein junger Künstler hat eine Blumenwiese gezeichnet und dieses Kunstwerk in eine Tapete übersetzt. Dafür wurde es um ein Vielfaches vergrößert. Gegenüber liegt die Holzwand aus Ast-Eiche, die im Gegensatz zu der künstlerischen Auffassung der Blumenwiese ein echtes Naturprodukt ist. So entsteht eine zweifache Definition von Natur“, erklärt Adolf Krischanitz. Einen interessanten Einblick in das Zimmer und in die Gestaltungsideen liefert der „Hotel Talk“ zu diesem Zimmer auf Youtube.

Die Atmosphäre eines Theatersaals erlebt der Gast im Zimmer 65, gestaltet von Roland Nemetz. Auch dieses ist in einem Hotel-Talk-Video in allen Einzelheiten zu sehen. Dunkle Holzelemente, Grautöne und Akzente in Rot dominieren die Farbgebung. „Einer der ersten Schritte war, über das Zimmer an sich und dessen Charakter nachzudenken. Als wir entdeckten, dass das Zimmer über den Nebenräumen des Off-Theaters liegt, war uns klar, was entstehen würde: eine Theater-Suite“, erzählt der österreichische Architekt. Dabei ist fast jedes Stück aus Wien – eine Melange aus traditionellen Möbeln der Nachkriegs-Moderne, die Nemetz bewusst aber auch zufällig gefunden hat. So stammen der Kleeblatttisch von einem Antiquitätenhändler, das Parkett aus der Wiener Stadthalle und die Lehnstühle und die Bank, die zuvor im Café Ritter waren, von dem Architekten Roland Rainer. Rote schwere Vorhänge und Leuchten eines Schminktischs betonen die Theater-Komponente, und Bilder von bekannten Schauspielern aus Wien geben den letzten Schliff.

Hotelzimmer gestaltet von Lena Hoschek

Retrochic ist das Motto im Hotelzimmer von Lena Hoschek.

Der perfekte Wohnraum für Cineasten ist das Zimmer des Architekten Gregor Eichinger, Zimmernummer 66. Vom Bett aus blicken Gäste wie in Hitchcocks Film „Fenster zum Hof“ durch das große Fenster in die Stadt hinaus und sind so stets mit Wien verbunden. Auf einer Leinwand können Eichingers Lieblingsfilme angesehen werden. Seine Gedanken zur Zimmergestaltung erklärt Gregor Eichinger ebenfalls in einem „Hotel Talk“, aufgenommen im entsprechenden Hotelzimmer.

Und wieder ganz anders ist Zimmer 67: Bei ihrem ersten Interior-Design-Projekt legte Lilli Hollein Wert darauf, die österreichische Design-Szene in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig ihre persönliche Note in den Raum zu bringen. Mit ihrem Mann Markus Eiblmayr entschied sich die Direktorin der Vienna Design Week für eine graue Wolkentapete von Cole and Son. „Vielleicht hat es etwas zutiefst Wienerisches einen grauen Wolkenhimmel als Thema zu wählen. Böse Zungen behaupten in Wien ist es zehn Monate lang Winter und zwei Monate lang kalt. Hier ist der Gast stets der sonnige Protagonist und bringt immer etwas Positives mit“, erklärt Lilli Hollein. Den Kontrast dazu bildet ein bunter, eigens für das Altstadt Vienna entworfener Teppich. Durch Elemente wie beispielsweise Stehleuchten von der Werkstätte Carl Auböck, Fliesen von Karak und Stühlen von Marco Dessi wird das Zimmer eine Bühne für österreichische Design- und Handwerkskunst. Auch hierzu gibt es ein Youtube-Video.

Blick in Hotelzimmer in Gelb und Blau gehalten

Eine Suite, die an Designpionier Josef Frank erinnert, haben die Innenarchitekten von Sventskt Tenn entworfen.

Dass die Zimmergestaltung durch bekannte Architekten und Designer kein Marketingtrick ist, sondern jeder Raum wirklich die Handschrift seines „Schöpfers“ trägt, bestätig Roland Nemetz: „Otto Wiesenthal ist ein sehr angenehmer Auftraggeber, wie es nur wenige gibt. Wenn man ihn fragt, ob man das so machen darf, sagt er: Du bist der Architekt, du musst das entscheiden.“ Es ist also tatsächlich so: Will man einem bestimmten Architekten sehr nahe kommen, dann reserviert man am besten gleich das von ihm gestaltete Zimmer im Altstadt Vienna. Die Übernachtungspreise starten bei 94 Euro für ein Einzelzimmer, wer mag, kann aber auch mehrere hundert Euro für eine Suite ausgeben. Welches Zimmer für den Erstbesuch das richtige ist, dazu berät das Team vom Altstadt Vienna gerne.

Urbanes Flair für einen Vierseithof im Bayerischen Wald

Blick in das Ferienapartment Moosham 13

Weiß, Schwarz und rohes Holz bilden den Rahmen für die modernen Ferienwohnungen. Foto: Bernd Vordermeier

Man nehme ein Gebäude mit Geschichte und Charme. Hauche ihm neues Leben ein, ohne dabei seinen Charakter zu zerstören. Und stelle moderne Architektur gleichberechtigt daneben, um nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart (und sogar der Zukunft) Raum zu gewähren.

Das ist für mich das Rezept für spannende Architektur. Wenn es irgendwo ein altes Haus zu sehen gibt, das mit architektonischem Feingefühl und Kreativität saniert und neugestaltet wurde, dann bin ich auf jeden Fall zur Stelle. Kein Weg ist da zu weit – auch der nicht nach Moosham bei Grafenau. Bei den Architektouren konnte dort nämlich ein renovierter und umgebauter Vierseithof besichtigt werden. Name des Projekts: „Moosham 13“.

In siebter Generation auf dem Hof

Nordfassade des Projekts Moosham 13

Moderne Fassade neben traditioneller Fassade: Die klaren Formen teilen beide. Foto: Bernd Vordermeier

„Neue Strukturen für die nächste Generation“, so haben Architekt Bernd Vordermeier und die Bauherren Verena Windorfer-Bogner und Reinhold Windorfer ihr Projekt im Booklet der Architektouren 2017 beschrieben. Und tatsächlich führen die beiden den Vierseithof mit Wohnhaus, Stall- und Nebengebäuden sowie einem denkmalgeschützten Brotbackofen bereits in siebter Generation. Da gibt es viel, was zu erhalten ist. Und ebenso vieles, was einer zeitgemäßen Nutzung angepasst werden muss. Im Fall des um 1840 erbauten Wohnhauses haben sich die Bauherren entschieden, durch eine Sanierung verschiedenste Zwecke zu vereinen: Fünf separate Einheiten jetzt bieten Platz für die Wohnung der Bauherren, den Wohnbereich der Eltern, zwei Gästeapartments sowie ein Büro.

Zwei ganz besonders Ferienapartments

Innenraum des Ferienapartments Moosham 13 bei Grafenau

In dem hellen, wohnlichen Apartment befindet sich unter anderem das Bad in einer in die Raummitte gesetzen Box. Foto: Bernd Vordermeier

Bäuerlicher, traditioneller Charakter und moderner reduzierter Architekturstil verbinden sich dabei zu einem wunderschönen, durchdachten und wohnlichen Zuhause – dauerhaft für die Familie Windorfer, auf Zeit für die Urlauber in den Ferienapartments. So schön wohnt man im Bayerischen Wald sicherlich nur in sehr wenigen Ferienunterkünften. Seit 1. Juli 2017 sind die Apartements von „Moosham 13“ zu mieten. Und wenn es nicht ziemlich unsinnig wäre, sich als Passauer eine Ferienwohnung in Grafenau zu nehmen, hätte ich am liebsten sofort nach einem freien Termin gefragt.

Spannende Architektur versprechen die Apartments schon von außen. Da streckt sich neben der traditionellen Hausfassade eine schmale, weiße Front nach oben. Zwei große hochformatige Fensteröffnungen wirken mit ihrem schmalen Rahmen wie aufgesetzt, die Holzhaustür clean und robust, ebenso wie die Treppe aus schwarzem Stahl. Drinnen setzt sich der einerseits natürlich-bodenständige, andererseits geradlinige und minimalistische Look fort. Die Apartments bestechen durch reduzierte Optik: die Wände und Decken weiß; Böden, Türen und Verkleidungen aus rohem Holz; dazu schwarze Einbauten. Die Bäder sind als Boxen im Raum gestaltet, unterteilen so die Wohnbereiche und stehlen dabei aber nicht den alten Gemäuern, sichtbar beispielsweise an manchen tiefen Fensteröffnungen, die Schau. Da steckt architektonischer Einfallsreichtum drin, Feingefühl für Wohnatmosphäre – und viel, viel Leidenschaft und Begeisterung für die Räume. Man spürt, dass Architekt Bernd Vordermeier und die Bauherren diese Begeisterung teilen.

Holzdielen aus dem eigenen Wald

Treppenhaus des Projekts Moosham 13 bei Grafenau

Das Treppenhaus alleine ist schon ein Kunstwerk und verbindet nicht nur symbolisch Alt und Neu. Foto: Bernd Vordermeier

So sind beispielsweise die Holzböden echte Handarbeit. Aus dem eigenen Wald stammt das Holz, das die Bauherren selbst mit semi-professioneller Ausrüstung zu Dielenbrettern und schließlich Böden ihrer Ferienapartments verarbeitet haben. Und unbehandelt gelassen haben. Die Haptik ist einmalig – und der Geruch nach frischem Holz ebenfalls.

Eine moderne und dennoch schlichte Holztreppe führt von den beiden Etagen mit den Ferienwohnungen bis hinauf ins Dachgeschoss. Dort, direkt unterm Giebel, luftig und hell, liegt die Wohnung der Bauherren. Sicherlich nicht das, was man sich unter einem traditionellen Zuhause auf dem Bauernhof vorstellt – eher mit urbanem Flair, aber gleichzeitig mit der bodenständigen Atmosphäre des gesamten Projekts. Und mit angenehmem Wohnklima: Dafür sorgen beispielsweise die mit Scheitholz befeuerte Temperierheizung, Naturkalkputze und ökologische Baustoffe.

So flexibel wie schön – das Konzept der Apartments

Küche der Ferienwohnung Moosham 13

Die Ferienwohnung besitzt eine Küche, die Suite nicht. Gemütlich ist es aber in beiden.

Höchsten Ansprüchen an Architektur und Wohnlichkeit werden die Apartments auf jeden Fall gerecht – und darüber hinaus auch vielfältigen Ansprüchen an die Nutzung. Eine Person, zwei Personen, drei, vier oder ein ganzer Freundeskreis, vielleicht zwei befreundete Familien? Weil sich die beiden Einheiten clever kombinieren lassen, sind alle gut untergebracht in Moosham 13. Während die Ferienwohnung eine Küche besitzt, haben die Bauherren in der zweiten Einheit darauf verzichtet. „Suite“ nennen sie das Apartment ohne Küche, das für alle diejenigen praktisch ist, die nur kurz (oder vielleicht geschäftlich) im Bayerischen Wald unterwegs sind und denen Kühlschrank und Kaffeemaschine reichen. Die Betten lassen sich in beiden Apartments leicht vom Doppelbett zu zwei Einzelbetten verwandeln. Und die Couch ist jeweils auch als Schlafcouch nutzbar. „Für Familien, die gerne mehr Platz zur Verfügung hätten, oder Gruppen von Freunden bietet sich eine gemeinsame Buchung von Ferienwohnung und Suite an, hier hat man dann – nur durch das Treppenhaus getrennt – 80 Quadratemter zur Verfügung. Dann kann beispielsweise die Ferienwohnung als Aufenthaltsbereich genutzt werden und die Suite als Schlafbereich“, erklärt Verena Windorfer-Bogner das flexible Nutzungskonzept. Eine Gruppe von bis zu neun Personen kann so in Moosham 13 unterkommen.

Das wäre also ideal für einen Bayerwald-Urlaub mit meinen Schwestern und ihren Familien. Also ich glaube, ich finde schon noch einen Grund, mich in Moosham 13 einzumieten…

 

 

Eine Frage der Perspektive

rotes Haus

Wer den richtigen Blickwinkel wählt, erkennt die Fassade eines Hauses. Foto: Hendrik Schwartz

Was haben denn die komischen roten und verspiegelten Würfel auf Pfosten mit Baukultur zu tun? Das fragen sich vermutlich so einige Besucher der Gartenschau Natur in Pfaffenhofen a. d. Ilm. Herausfinden wird das nur, wer den Anweisungen folgt und einen bestimmten Blickwinkel einnimmt. Dann nämlich entsteht aus den seltsamen dreidimensionalen Formen ein Haus. Und erinnert daran: Es ist alles eine Frage der Perspektive!

Geometrische Körper auf Pfosten

Auf den ersten Blick: ein Durcheinander aus geometrischen Formen. Foto: Hendrik Schwartz

Das Land-Art-Projekt auf dem Gelände der Gartenschau neben der Ilm hat das Forum Baukultur im Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm konzipiert. Es handelt sich um eine „Anamorphose“, also um ein Bild, das nur unter einem bestimmten Blickwinkel erkennbar ist. Wer durch das vorgegebene Gucklock schaut, für den setzen sich die einzelnen Formen zu einem roten Haus zusammen.

In den meisten Fällen führt dieser Blick aus der richtigen Richtung zu einem Ausruf des Erstaunens. Und im besten Fall nimmt sich der Betrachter Zeit, noch ein bisschen darüber nachzudenken: Welche Teile gehören zu seinem Traumhaus? Welchen Blick hat er aufs Bauen? Und aus wie vielen Perspektiven muss man Architektur betrachten, um zu sehen, wie sie sich in die Umgebung einfügt?

Die Gartenschau in Pfaffenhofen a. d. Ilm ist noch bis 20. August 2017 geöffnet.

Weniger ist mehr: Was den Bauhausstil den Dörfern der Provence verbindet

Hotel Coquillade Village in der Provence Außenansicht

Natursteinmauern und Fensterläden, das sind typische Elemente des provenzialischen Baustils. Foto: Coquillade Village

Die typischen Bauten der Provence und die Philosophie des Bauhausstils – das hat auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Für die Gäste des Coquillade Village können solche Zusammenhänge aber ganz deutlich werden. Vor allem, wenn sie sich von Hoteldirektor Werner Wunderli erzählen lassen, wie das französische Fünf-Stern-Resort zu seinem heutigen Aussehen kam.

Eineinhalb Autostunden von Marseille entfernt, auf einem Hügel und inmitten eines Weingutes, liegt das Coquillade Village. Das weitläufige Resort im Stil eines typisch provenzalischen Weilers mit einer Fläche von 42 Hektar hat eine dorfähnliche Struktur und umfasst sechs traditionelle Landhäuser, deren älteste Mauern auf das 11. Jahrhundert  zurückgehen, und ein modernes Gebäude aus dem Jahr 2015.

Innenansicht einer Suite des Coquillade Village

Klar, einfach und von bester Qualität: Dieser Grundsatz liegt dem Interior-Design des Fünf-Sterne-Resort zugrunde. Foto: Nikkol

In 63 Zimmern, davon 42 Suiten, können Gäste eine Mischung aus dem traditionellen Stil der Provence und modernem Innendesign erleben. Verantwortlich für diese Mischung zeichnen Carmen und Werner Wunderli, das Schweizer Hoteldirektorenpaar. Beim Um- und Neubau setzten sie auf Architekten und Handwerker aus der Region. Und gestalterisch auf klare Formen, Funktionalität und beste Materialien. Viele Gegenstände wie Möbel, Leuchter oder schmiedeeiserne Elemente stammen unmittelbar von regionalen Handwerkskünstlern. Allerdings eben nicht im typischen Design der Provence, sondern im Bauhausstil, der in Material und Farbe an die Provence angepasst wurde.

Die Architektur der Gegend aus dem 13. bis 17. Jahrhundert in ein modernes Konzept zu integrieren, das machte die Gestaltung des Hotels für Werner Wunderli erst so richtig spannend: „Es war erstaunlich, wie die Einfachheit der Lebensweise der Ur-Einwohner dieser Gegend mit der einfachen Formensprache des Bauhaus-Stils übereinstimmte“, sagt Werner Wunderli. Das „Weniger ist mehr“, das ja in der Bauhaus-Philosophie verankert ist, wurde in dieser Gegend aufgrund der beschränkten finanziellen Möglichkeiten schon gelebt. Mit Erdfarben, Stein und Holz wurden auch die Materialien der Gegend schon immer verwendet – und nun auch bei der Gestaltung des Hotels.

Das Coquillade Village von oben

Das weitläufige Resort mit einer dorfähnlichen Struktur umfasst sechs traditionelle Landhäuser, ein modernes Gebäude, ein Spa & Wellness Center mit einem Innen- und zwei Außenpools. Foto: Jerôme Mondière

Ob die Gäste allerdings den Zusammenhang zwischen traditioneller Architektur und Bauhaus erkennen, das ist für Werner Wunderli zweitrangig. „Derjenige, der kein Spezialist ist, soll sich einfach wohlfühlen, ohne zu analysieren, warum“, wünscht sich der Hoteldirektor. Zu den klaren und einfachen Design-Philosophien der 1920er Jahre hat Werner Wunderli schon als junger Mann gefunden. Er freut sich, dass diese Lebens- und Einrichtungsform nun endlich auch bei den Gästen ankommt. Das war nicht immer der Fall: „Ich habe festgestellt, dass die Kunden bis in die 1990er Jahre nicht bereit waren, sich in diesem Stil wohlzufühlen.“ Dabei hält er diese Form des Sich-Einrichtens für die einzige, die Generationen überdauern kann. „Für mich muss Interior-Design auch in 20 und 50 Jahren noch gültig sein. Man kann Stoffe, Möbel und Farben verändern – aber die Basis wie Wände, Böden, Einbauten müssen Beständigkeit beinhalten. Ein Corbusier-Sessel oder eine Eames-Liege, ein Breuer-Stuhl sind heute noch modernste Möbel – auch wenn sie Klassiker geworden sind“, schwärmt Werner Wunderli. Genauso wie ein Gemäuer aus dem 11. Jahrhundert heute wieder modernen Lifestyle ausstrahlen kann. Wer es selbst erleben will: Die Übernachtungspreise im Coquillade Village beginnen bei 220 Euro für zwei Peronen im Doppelzimmer mit Frühstück.

 

Von New York ins Nirgendwo: Kunstprojekt versetzt berühmte Architektur

Elf Gebäude hat Anton Repponen von New York ins Nirgendwo versetzt. Alle Fotomontagen gibt es unter displaced.design.

Elf Gebäude hat Anton Repponen von New York in Wüsten, Steppen und Sanddünen versetzt. Alle Fotomontagen gibt es unter misplaced.design.

Mein Haus würde sicherlich anders aussehen, wenn es auf einem anderen Grundstück stehen würde. Der Baugrund, sein Zuschnitt, Topographie und Umgebung, war entscheidender Ausgangspunkt für die Architektur. Und ich glaube, genauso muss es sein. Was also passiert, wenn man großartige architektonische Werke nimmt und in eine komplett andere Umgebung versetzt? Anton Repponen hat es ausprobiert – per Photoshop für sein Kunstprojekt „Misplaced“.

Das Chrysler-Building sieht aus, als würde es aus einer Spalte des kargen Bodens vor menschenleeren Hügeln wachsen. Ein bisschen verloren steht es da, aber endlich kann man mal den Blick ohne Ablenkung über die runden Formen des Turmaufbaus schweifen lassen. Von der Straße aus, der Lexington Avenue in New York, wo es eigentlich steht, funktioniert das ja nicht so gut.

Das Whitney Museum von Renzo Piano macht einen etwas tristen Eindruck in der dürren Steppenlandschaft, in die es Anton Repponen versetzt hat. Die vielen Ecken, Vorsprünge und schiefen Ebenen passen nicht so recht in die leicht hügelige Landschaft. Vielleicht passt diese Architektur wirklich besser in die Straßen Manhattans? Die Fotos auf der Homepage des Museums lassen es jedenfalls vemuten: Im Großstadtgetümmel verschafft sich das Gebäude nur durch die kantigen, unregelmäßigen Formen überhaupt Geltung.

Mein Lieblingsbild: das IAC Building von Architekt Frank Gehry in den Sanddünen. Dank seiner geschwungenen Formen sieht das Gebäude selbst aus, als hätten Wind und Wellen es geformt. Solch harmonisch geschwungene Formen muss man erst mal hinbekommen! Mir jedenfalls gefällt diese Architektur in der Natur sogar besser als am wirklichen Standort.

Elf Architektur-Highlights aus News York hat Anton Repponen insgesamt per Photoshop in die freie Natur versetzt. Der Hintergedanke: Auf diese Weise erscheinen die Gebäude dem Betrachter, als würde er sie zum ersten Mal überhaupt sehen. „Out of context, architectural forms become more pronounced and easily understood“, erklärt er auf seiner Projektseite misplaced.design. Der Designer und Fotograf mit Architektur-Hintergrund hat mit seinem Projekt jedenfalls für viel Resonanz im Web gesorgt – eine witzige Idee ist es allemal. Unbedingt selbst mal anschauen unter http://misplaced.design/!

Hier ist die Kreativität zu Hause

Fassade des Mühltalhofs mit Glasanbau und Kortenstahl.

Kortenstahl und Glas prägen die Fassade des Mühltalhofs. Foto: Karin Polz

Gutes Essen und gute Architektur haben viel gemeinsam: Beides erfordert Kreativität. Beides ist auch Geschmacksache. Beides trägt zum Wohlfühlen bei. Und noch viel mehr. Um es kurz zu machen: Beides vereint der Mühltalhof in Neufelden im österreichischen Mühlviertel. Deshalb fahre ich da so gerne hin – gerade war ich das dritte Mal dort, und wieder konnte mich das Hotel begeistern.

Der Mühltalhof – ein Familienprojekt

Man muss sich aber einlassen wollen auf den Mühltalhof – denn vieles ist anders, ungewohnt, überraschend. Das trifft auf die Zimmer und die Einrichtung zu, und genauso auf die Küche. Die Hoteliers-Familie ist extrem kreativ. Und mutig genug, die kreativen Ideen umzusetzen. Das trifft auf Helmut Rachinger zu, der mit seinem Sohn Philip die Küche des Mühltalhofs prägt. Und das trifft auch auf den Mann von Helmuts Schwester Johanna Eckl-Rachinger zu: Als Künstler hat sich Joachim Eckl einen Namen gemacht und im und ums Hotel herum Spuren hinterlassen.

Eine alte Leiter als Handtuchhalter, der Wegweiser zur Sauna ein mit Kreuzstich-Schriftzug besticktes Handtuch: Auch die Inneneinrichtung des Hotels zeugt von Kreativität. Keines der 22 Zimmer ist wie das andere, und die typische Hotelzimmer-Einrichtung großer Häuser sucht man vergebens.

Stahl und Natur – das muss kein Widerspruch sein

Blick auf die Große Mühl.

Der Mühltalhof liegt direkt an der Großen Mühl, die sich dort staut. Foto: Karin Polz

Dass also auch die Architektur vom Üblichen abweicht, verwundert nicht. Das ursprüngliche Haus mit seinen dicken, weiß verputzten Mauern und dem zur Straße gewandten Giebel trifft auf eine neue Fassade aus Kortenstahl und viel Glas. Wer vor dem Mühltalhof steht und auf das Gebäude blickt, stellt überraschend fest: Zu der ursprünglichen Natur rund um das Hotel, zu den dichten, grünen Baumbeständen und der ruhigen Wasserfläche der Großen Mühl direkt am Gebäude kann kaum ein anderes Material besser passen. Das Rostrot des Kortenstahls harmoniert mit den Grün-, den Wasser- und den Erdtönen der Umgebung bestens.

Von innen und außen gleichermaßen ansprechend wirken auch die großen Glasflächen des Speiseraums, in denen sich der Mühlfluss spiegelt. Wie sich moderne und althergebrachte Elemente wunderbar ergänzen, hat Romana Ring in einem Text auf der Internetseite nextroom, einer Datenbank zum zeitgenössischen Bauen, perfekt zusammengefasst.

Auszeichnung beim Architekturwettbewerb

Fassade des Mühltalhofs aus Kortenstahl.

Rostrot und Grün: Kortenstahl und Bäume harmonieren perfekt. Foto: Karin Polz

Verantwortlich für die Architektur ist der Linzer Architekt Klaus Leitner. Er hat mit seiner Gestaltung des Mühltalshof 2009 auch beim Architekturwettbewerb „vis à vis“, überzeugt, initiiert vom architekturforum oberösterreich (afo) und den OÖNachrichten. „Respekt für die vorgefundene Substanz und ihre privilegierte Lage im Naturraum“ bescheinigte die Jury dem Architekten und den Bauherrn.

Allerdings darf man über die ganze Architektur das Wichtigste bei einem Urlaub im Mühltalhof nicht vergessen: Entspannen und die Gourmetküche genießen! Spätestens beim Dessert mit Sauerklee-Eis (!) und weißer Schokolade vergisst man vor lauter Begeisterung eh alles um sich herum. Sogar die Architektur.

Urlaub im Vollholzhotel

Hotel Forsthofalm in Leogang

Wer ins Hotel Forsthofalm will, muss erst einmal ein ganzes Stück den Berg rauf. Oben gibt es dann Natur pur: ein Hotel aus natürlichen Baustoffen und einen freien Blick auf die Bergwelt, die im Sommer Mountainbiker und im Winter Skifahrer nutzen. Foto: Hendrik Schwartz

Strand oder Berge? Metropole oder einsame Insel? Aktiv oder relaxen? Bei der Urlaubsplanung stellt man sich ja so manche Fragen. Aber dass auch „Holzbau oder Massivbau?“ ein Kriterium beim Wahl des Urlaubsziels sein könnte, daran habe ich ehrlich gesagt noch nie gedacht. Obwohl ich stolze Holzhaus-Besitzerin bin und jeden verstehen kann, der das gute Wohnklima im Holzhaus nicht eintauschen möchte. Hotelier Markus Widauer allerdings kennt solche Überlegungen. „Wir haben durchaus auch Gäste, die selbst ein Holzhaus haben und sagen: Wir wollen doch im Urlaub nicht schlechter wohnen als zu Hause.“ In Widauers Hotel Forsthofalm sind sie gut aufgehoben: Als erstes Vollholzhotel im Salzburger Land hat es sich nach Aus- und Umbau 2008 und 2013 einen Namen gemacht.

Blick nach draußen durch eine Glasscheibe im Hotel Forsthofalm.

Die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen im Hotel Forsthofalm. Foto: Hendrik Schwartz

Das Vier-Sterne-Superior-Hotel in Leogang in Österreich wurde 2014 vom Hotelforum sogar als „Hotelimmobilie des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Die Jury lobte die Besonderheiten des Hauses: ein stimmiges und nachhaltiges Gesamtkonzept, zeitgemäße, klare und unaufdringliche Architektur, niedrigen Energieverbrauch, natürliche Materialien wie Schiefer, Leder und Holz in den Hotelzimmern.

Mondgeschlagenes Holz aus der Region

Die Materialien sind dabei nicht nur natürlich, sondern auch heimisch. Vor allem das Holz kommt „zu 95 bis 98 Prozent“, wie Markus Widauer sagt, aus der Region und ist mondgeschlagen – auch dieses Detail gehört zur Philosophie der patentierten Thoma Holz100-Bauweise, die auch bei der Forsthofalm zum Einsatz kam. Wahre Massen von Holz werden dabei verbaut, denn die Wände bestehen aus Massivholz, das in mehreren Lagen senkrecht, waagerecht und schräg geschichtet wird.

210.000 Buchenholzdübel ersetzen Leim und Nägel

Wände nach dem Thoma Holz100-System

Blick von oben auf die Holzschichten, aus denen die Wände bestehen. Mehrere Lagen sorgen unter anderem für gute Dämmung. Foto: Hendrik Schwartz

Diese Holzlagen werden von Buchenholzdübel zusammengehalten, die auf null Prozent Restfeuchte getrocknet wurden und dann, an ihrem Einsatzort, wieder Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen, quellen und so die Schichten fest aneinanderbinden. Der Holzbau bleibt dadurch komplett leimfrei und metallfrei. Stattdessen wird zum Beispiel die Forsthofalm von 210.000 Buchenholzdübel zusammengehalten.

„Natur ist Freiheit“ lautet das Leitmotiv der Hoteliersfamilie Widauer. Darum sind die wunderbaren Ausblicke durch große Panoramafenster in die Natur auf 1050 Metern Höhe nicht nur architektonisch bedingt. Die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwinden angesichts der großformatigen Fenster. „Die Architektur ordnet sich der Natur unter“, bestätigt der Architekt. Verantwortlich für Architektur und Interior Design war beim Holzhotel Forsthofalm die W2 Manufaktur des Architektenehepaares Nicole Waltl-Piffer und Alfred Waltl aus Leogang. Hochwertiges Handwerk und schlichte, aber aussagekräftige Formensprache waren grundsätzliche Vorgaben für den Bau des siebengeschossigen Vollholzhotels.

Als Holzhausbesitzerin kann ich bestätigen: Ich habe im Hotel Forsthofalm genauso gut geschlafen wie daheim. Aber das wäre für mich nicht der einzige Grund, dort wieder Urlaub zu machen. Ebenfalls überzeugt haben die fantastische Lage mitten am Berg, das ökologische Gesamtkonzept, die auf regionalen Produkten basierende Küche, das erholsame Spa und die nette Gastgeberfamilie. Das Holzhotel sieht mich bestimmt mal wieder!