Das kannst du doch nicht machen! – Teil 5: Ein Holzhaus bauen

Vorgefertigte Wandelemente werden an der Baustelle zusammengefügt.

Ein Haus in Holzständerbauweise ist schnell aufgestellt. Die Innen- und Außenwände werden vorgefertigt. Foto: Karin Polz

Dies ist der fünfte Teil meiner Serie „Das kannst du doch nicht machen!“, und dieser Teil betrifft eine Grundsatzentscheidung, die ich lange vor der Hausplanung getroffen hatte. Wenn bauen, dann mit Holz. Überzeugt haben mich verschiedene Argumente, am meisten aber die Tatsache, dass Holz ein angenehmer, warmer, schöner und nachwachsender Werkstoff ist. Ich mag Holz – das hat es mir leicht gemacht, mein Vorhaben, ein Holzhaus zu bauen, gegen viele Bedenken und Gegenargumente zu verteidigen.

Warum ein Holzhaus?

Den wichtigsten Grund habe ich schon genannt. Aber es gibt auch einige Fakten, die für Holz sprechen:

  • Bauen mit Holz ist nachhaltig. Holz ist ein natürlicher Baustoff. In bayerischen Wäldern wächst mehr Holz nach als geerntet wird. Man kann den Baustoff aus der Region beziehen und damit die Transportwege kurz halten. Mein Haus ist aus heimischem Fichtenholz gebaut, die Fußschwellen sind aus Lärchenholz.
  • Ein Haus aus Holz ist ein Kohlendioxid-Speicher. Während Holz wächst, nimmt es Kohlendioxid auf und bindet es. Ein Kubikmeter Holz bindet 900 Kilogramm Kohlendioxid, sagt die Holzforschung München. Und rechnet vor, dass somit in einem modernen Einfamilien-Holzhaus ungefähr so viel Kohlendioxid gebunden ist, wie emittiert wird, wenn man 40 Jahre lang Auto fährt.
  • Holz sorgt für gutes Klima. Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Und es wird in der Bauphase weniger Wasser ins Haus eingebracht als bei einem Ziegelhaus. Gerade in den ersten Jahren der Nutzung ist es dadurch weniger anfällig für Feuchte- und Lüftungsschäden, bestätigt das Bayerische Institut für nachhaltige Entwicklung.
  • Die Brandgefahr ist nicht höher als bei einem Ziegelhaus, denn Brände gehen meist von der Wohnungseinrichtung aus. Holz brennt äußerst berechenbar, und es entwickelt deutlich weniger giftige Brandgase als andere Baustoffe.
  • Ein Holzhaus wird in der Regel vorgefertigt, die einzelnen Bauteile werden an der Baustelle zusammengefügt. Bei meinem Haus stand nach einem Tag das Erdgeschoss, Obergeschoss und Dach benötigten zwei weitere Tage. Dann ging es schon an den Innenausbau. Ein Holzhaus ist sehr schnell beziehbar – für alle, die zur Miete wohnen, während sie ihr Eigenheim bauen, ist das ein unschlagbarer finanzieller Vorteil.
  • Mit einem Holzhaus haben wir nach damaligem Stand eine weitaus bessere Wärmedämmung erreicht, als es mit einem Ziegelhaus möglich gewesen wäre. Die Dämmung liegt beim Holzhaus in der Wand, hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Zellulose, möglich. Das heißt, dass bei gleicher Grundfläche das Holzhaus mehr Wohnfläche bietet, weil die Außenwände dünner geplant werden können. Fünf bis zehn Prozent Wohnflächengewinn errechnet das Bayerische Institut für nachhaltige Entwicklung.

Ist ein Holzhaus billiger?

Das halb fertige Haus am zweiten Tag der Bauphase

Das ist mein Haus am zweiten Tag. Da war bereits das Obergeschoss an der Reihe. Foto: Karin Polz

Es gibt verschiedene Bauweisen, die unter den Begriff „Holzhaus“ fallen. Ein Blockhaus ist anders gebaut als ein Massivholzhaus oder ein Haus in Holzständerbauweise, wie ich es habe. Ich habe damals Angebote für das Haus in Ziegelbauweise und in Holzständerbauweise eingeholt. Da gab es große Preisunterschiede, einige Angebote für Ziegelhäuser waren günstiger als für ein Holzhaus. Rechnet man aber alles mit ein, auch zum Beispiel den höheren Dämmstandard und die kürzere Bauzeit (und damit kürzere Doppelbelastung durch Miete und Baudarlehen), ist der Unterschied verschwindend gering. Das Thema Wiederverkaufswert wird häufig als Gegenargument gegen Holzbau verwendet. Ich bin mir aber sicher, dass es beim Wiederkauf egal ist, ob das Haus aus Ziegel oder Holz ist, solange es in gutem Zustand und ohne Mängel ist und einen niedrigen Energiebedarf aufweist. Für den Wert des Hauses ist sicherlich die Lage wichtiger als die Bauweise.

Und aus architektonischer Sicht?

Musterhaus von Holzbau Sonnleitner mit Holzfassade

Eine Holzfassade kann den Charakter eines Hauses stark prägen und ist damit auf jeden Fall ein wichtiges architektonisches Element, wie hier bei einem Musterhaus von Sonnleitner. Foto: Karin Polz

Unser Plan hätte sich in Ziegel- und Holzbauweise gleichermaßen umsetzen lassen. Die markante Holzdecke in unserem Erdgeschoss ist aber vor allem unserer Entscheidung für die Holzbauweise zu verdanken. Ein Ziegelhaus hätte vielleicht eine Betondecke bekommen – dann wären wir nie auf die Idee mit den weiß lasierten Balken gekommen.

Wer Holz in der Fassadengestaltung schön findet, hat mit einem Holzhaus natürlich vielfältigste Möglichkeiten. Mir gefallen Holzhäuser mit Holzfassade sehr gut – allerdings hat es zu unserer Hausform überhaupt nicht gepasst. Eine Putzfassade lässt sich auch auf Holzwände auftragen: Ein Holzhaus muss nicht auf den ersten Blick als solches erkennbar sein.

Entscheidungshilfen

Ich bin ein absoluter Befürworter von Holzhäusern. Deshalb kann ich hier nicht unparteiisch sein. Ich würde nie mit Ziegel bauen wollen, nachdem ich jahrelang in feuchten Ziegelhäusern gewohnt habe, mit kalten Wänden und mit dauernden Schimmelproblemen. Zu feuchte Luft kenne ich in meinem Haus nicht – manchmal ist es eher zu trocken. Fehlender Schallschutz, der Holzhäusern häufig nachgesagt wird, ist bei meinem Haus kein Problem. Hier entscheidet mehr die Konstruktionsweise als das Baumaterial darüber, wie hellhörig ein Haus ist. Ich jedenfalls finde das Raumklima in meinem Haus sehr behaglich und machen zum großen Teil das Holz dafür verantwortlich. Bauen mit Holz ist meiner Meinung nach eine sehr nachhaltige Möglichkeit, die für Bauherren zudem eine große Sicherheit bietet: Durch die computergesteuerte Vorfertigung der Bauteile sind Präzision und hohe Qualität der Bauteile gewährleistet. Wer sich selbst eine Meinung bilden will, kann natürlich als Alternative zum Internetauftritt des Deutschen Holzfertigbau-Verbands oder des Deutschen Massivholz- und Blockhausverbands zum Beispiel auch beim Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie oder beim InformationsZentrum Beton vorbeischauen.

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie „Das kannst du doch nicht machen!“:

Teil 1: Bauen ohne Keller

Teil 2: Bauen am Nordhang

Teil 3: Bauen ohne Rollläden

Teil 4: Bauen ohne Wohnzimmer

Teil 6: Bauen ohne Zaun

„Räumchen wechsle dich“ im Musterhauspark

Fassade des Functionality-Hauses

Die schiebbaren Holzläden prägen die Fassade des Functionality-Hauses von Sonnleitner. Foto: Karin Polz

Noch soooo lange bis zu den nächsten Architektouren (am 25. und 26. Juni 2016), im Freundeskreis hat auch niemand neu gebaut – wenn ich also meinem Hobby „Häuser anschauen“ nachgehen möchte, habe ich momentan nicht viele Optionen. Eine allerdings steht praktisch immer offen: Musterhausparks. Ich kann euch zum Beispiel den Referenzhauspark der Sonnleitner Holzbauwerke in Ortenburg im Landkreis Passau empfehlen. Dort dreht sich alles ums Bauen mit Holz. Besonders beeindruckt hat mich das Plus-Energie-Referenzhaus „Functionality-Haus by Sonnleitner & Häfele“. Nicht nur, weil das Gebäude dank guter Dämmung, Photovoltaikanlage und Wärmepumpe mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Sondern auch, weil das Haus im Innern so unglaublich wandelbar ist. Fast alle Räume können einfach umgebaut werden. In dem Maße, wie sich die Lebensumstände der Bauherren mit der Zeit verändern, bleibt auch die Raumnutzung in dem 193-Quadratmeter-Haus flexibel: Erst braucht man vielleicht zwei Arbeitszimmer, dann eher Kinderzimmer, und wenn die Kinder aus dem Haus sind, will man die Räume wieder ganz anders nutzen. Und das ist beim Functionality-Haus möglich. Es ist von Anfang an so geplant, dass sich das Haus flexibel und in unterschiedlicher Raumaufteilung nutzen lässt.

Eingangsbereich und Flur des Functionality-Hauses

Schon im Eingangsbereich erkennt man zwei Besonderheiten des Referenzhauses: viel Holz und viele Schiebe- und Falttüren. Foto: Karin Polz

Ein Haus ohne starrre Wände – wie lässt sich das umsetzen? Hauptsächlich dadurch, dass nur die Außenwände und ein tragendes Treppenhaus feststehen. Alle anderen Unterteilungen sind flexibel. Da gibt es beispielsweise Schiebe- und Faltwände sowie verschiedene Varianten von Schiebetüren. Die Firma Häfele aus Baden-Württemberg, die an diesem Musterhaus fleißig mitgestaltet hat, ist dabei für die innovativen Beschläge zuständig, die es zum Beispiel ermöglichen, dass ein Schreibtisch sich sekundenschnell gekippt und gedreht in die Wand zurückzieht und durch ein Gästebett ersetzt werden kann.

Funktionalität steht aber nicht nur in Bezug auf die Raumnutzung und Einrichtung im Vordergrund. Auch Wohngesundheit und Energieverbrauch sind perfekt durchgeplant: Der ökologische Grundgedanke, den Sonnleitner bei seinen Bauten pflegt, wird auch mittels der Zimmerdecken umgesetzt. Diese bestehen aus Holzlamellen, die nur durch Dübel verbunden sind, keinen Leimanteil besitzen. Die mit Wachs gebeizte Holzdecke sieht modern aus, aber ihre Besonderheit liegt in der großen Masse Holz, die darin verbaut ist. Das viele Holz hat eine Aufgabe: Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben und somit das Klima im Haus zu regulieren. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung kann dadurch umgangen werden.

Wohnraum im Functionality Haus von Sonnleitner

Ein schmales Fenster ist in die Regalwand integriert worden. Rechts daneben ist der Raum durch eine Falttür abtrennbar. Foto: Karin Polz

Wandaufbau aus Holz, Decke aus Holz – und auch bei der Einrichtung spielt Holz die Hauptrolle: Die Böden sind aus geölter Eiche und die Möbel sowieso. Interessant dabei: Auch die Möbel hat Sonnleitner selbst gefertigt, nämlich in der hauseigenen Schreinerei.

Bei der Fassade dagegen steht Holz nicht unbedingt im Blickpunkt. Zwar basiert der energetisch ausgefeilte Wandaufbau auf Holz (mit den Wandsystemen Twinligna und Monoligna). Aber zum Großteil ist die Fassade verputzt, weil sich das viele Bauherren jetzt so wünschen. Auch der fehlende Dachüberstand entspricht dem aktuellen Bau-Geschmack. Blickfang der Fassade sind auf jeden Fall die großen Fenster und die schiebbaren Holzläden.

Es gibt draußen und drinnen bei diesem Referenzhaus so vieles zu entdecken: in den Schrank integrierte Schiebetürlösungen ohne Bodenschiene; Wohnzimmerregale, die ein kleines Fenster umschließen; eine Kochinsel, die sich blitzschnell in einen Tresen verwandelt. Selbst wer nicht bauen will, verbringt im Referenzhauspark von Sonnleitner spannende Stunden. Und lehrreiche noch dazu: Neben mehreren Häusern gibt es auch eine Ausstellung zum Thema „Erlebnis Holz“, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die aktuellen Öffnungszeiten des Kundenzentrums und Referenzhausparks finden sich auf der Homepage von Sonnleitner, üblicherweise ist Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Urlaub im Vollholzhotel

Hotel Forsthofalm in Leogang

Wer ins Hotel Forsthofalm will, muss erst einmal ein ganzes Stück den Berg rauf. Oben gibt es dann Natur pur: ein Hotel aus natürlichen Baustoffen und einen freien Blick auf die Bergwelt, die im Sommer Mountainbiker und im Winter Skifahrer nutzen. Foto: Hendrik Schwartz

Strand oder Berge? Metropole oder einsame Insel? Aktiv oder relaxen? Bei der Urlaubsplanung stellt man sich ja so manche Fragen. Aber dass auch „Holzbau oder Massivbau?“ ein Kriterium beim Wahl des Urlaubsziels sein könnte, daran habe ich ehrlich gesagt noch nie gedacht. Obwohl ich stolze Holzhaus-Besitzerin bin und jeden verstehen kann, der das gute Wohnklima im Holzhaus nicht eintauschen möchte. Hotelier Markus Widauer allerdings kennt solche Überlegungen. „Wir haben durchaus auch Gäste, die selbst ein Holzhaus haben und sagen: Wir wollen doch im Urlaub nicht schlechter wohnen als zu Hause.“ In Widauers Hotel Forsthofalm sind sie gut aufgehoben: Als erstes Vollholzhotel im Salzburger Land hat es sich nach Aus- und Umbau 2008 und 2013 einen Namen gemacht.

Blick nach draußen durch eine Glasscheibe im Hotel Forsthofalm.

Die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen im Hotel Forsthofalm. Foto: Hendrik Schwartz

Das Vier-Sterne-Superior-Hotel in Leogang in Österreich wurde 2014 vom Hotelforum sogar als „Hotelimmobilie des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Die Jury lobte die Besonderheiten des Hauses: ein stimmiges und nachhaltiges Gesamtkonzept, zeitgemäße, klare und unaufdringliche Architektur, niedrigen Energieverbrauch, natürliche Materialien wie Schiefer, Leder und Holz in den Hotelzimmern.

Mondgeschlagenes Holz aus der Region

Die Materialien sind dabei nicht nur natürlich, sondern auch heimisch. Vor allem das Holz kommt „zu 95 bis 98 Prozent“, wie Markus Widauer sagt, aus der Region und ist mondgeschlagen – auch dieses Detail gehört zur Philosophie der patentierten Thoma Holz100-Bauweise, die auch bei der Forsthofalm zum Einsatz kam. Wahre Massen von Holz werden dabei verbaut, denn die Wände bestehen aus Massivholz, das in mehreren Lagen senkrecht, waagerecht und schräg geschichtet wird.

210.000 Buchenholzdübel ersetzen Leim und Nägel

Wände nach dem Thoma Holz100-System

Blick von oben auf die Holzschichten, aus denen die Wände bestehen. Mehrere Lagen sorgen unter anderem für gute Dämmung. Foto: Hendrik Schwartz

Diese Holzlagen werden von Buchenholzdübel zusammengehalten, die auf null Prozent Restfeuchte getrocknet wurden und dann, an ihrem Einsatzort, wieder Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen, quellen und so die Schichten fest aneinanderbinden. Der Holzbau bleibt dadurch komplett leimfrei und metallfrei. Stattdessen wird zum Beispiel die Forsthofalm von 210.000 Buchenholzdübel zusammengehalten.

„Natur ist Freiheit“ lautet das Leitmotiv der Hoteliersfamilie Widauer. Darum sind die wunderbaren Ausblicke durch große Panoramafenster in die Natur auf 1050 Metern Höhe nicht nur architektonisch bedingt. Die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwinden angesichts der großformatigen Fenster. „Die Architektur ordnet sich der Natur unter“, bestätigt der Architekt. Verantwortlich für Architektur und Interior Design war beim Holzhotel Forsthofalm die W2 Manufaktur des Architektenehepaares Nicole Waltl-Piffer und Alfred Waltl aus Leogang. Hochwertiges Handwerk und schlichte, aber aussagekräftige Formensprache waren grundsätzliche Vorgaben für den Bau des siebengeschossigen Vollholzhotels.

Als Holzhausbesitzerin kann ich bestätigen: Ich habe im Hotel Forsthofalm genauso gut geschlafen wie daheim. Aber das wäre für mich nicht der einzige Grund, dort wieder Urlaub zu machen. Ebenfalls überzeugt haben die fantastische Lage mitten am Berg, das ökologische Gesamtkonzept, die auf regionalen Produkten basierende Küche, das erholsame Spa und die nette Gastgeberfamilie. Das Holzhotel sieht mich bestimmt mal wieder!

Ein Traumhaus mit roten Fensterläden

Das Einfamilienhaus mit roten Fensterläden und Terrasse.

Die Fensterläden waren von Anfang an geplant. Die rote Farbe allerdings setzte sich erst nach Diskussionen durch. Foto: Karin Polz

Eine gute Entscheidung: Neubau statt Sacherl

Hätte man Sabina Moos (29) und Florian Smola (34) vor ein paar Jahren danach gefragt, wie sie sich ihr eigenes Zuhause idealerweise vorstellen, dann hätte es sich so angehört: ein Sacherl auf dem Land, mitten in der Natur, viel Platz, vielleicht samt einem Stall für Sabinas Pferd – aber auf keinem Fall ein Neubau in einer Neubausiedlung.

Dass dieser Traum nicht umsetzbar war, mussten die beiden erkennen, als sie sich nach einer solchen Immobilie umsahen: „Was auf dem Markt angeboten wird, ist entweder unendlich teuer oder komplett renovierungsbedürftig“, sagt Florian. Nach der Ernüchterung war klar: Eine Neubausiedlung soll es immer noch nicht werden, aber vielleicht kann man ja sein Traumhaus irgendwo anders neu bauen? Man kann – und zwar genauso idyllisch, wie man es bei einem Sacherl erwartet hätte! Das sieht man heute, wenn man Sabina und Florian besucht. In Zeitlarn bei Vilshofen (Landkreis Passau) fanden die beiden das Grundstück, das genau ihren Vorstellungen entsprach: auf dem Land, viel Platz, drumherum Natur.

Blick in die Küche.

Die offene Küche vom Schreiner haben Sabina und Florian harmonisch in den Wohnbereich integriert. Foto: Karin Polz

„Ich weiß gar nicht, warum niemand das Grundstück haben wollte“, wundert sich Sabina noch heute. Vielleicht war es mit seinen 1245 Quadratmetern vielen Bauherren zu groß, vielleicht schreckte sie die schmale und lange Zufahrt ab, vielleicht der angrenzende Bach, die Wolfach. Für Sabina und Florian waren das dagegen teils Pluspunkte – und nahe genug an Passau lag das Grundstück auch. Der Orthopädietechnikmeister arbeitet nämlich in der Dreiflüssestadt und wollte nicht allzu weit pendeln müssen. Und für Sabina, die bei der Hans-Lindner-Stiftung in Arnstorf (Landkreis Rottal-Inn) arbeitet, war die Lage auch optimal. „Das Grundstück hat uns gleich bei der ersten Besichtigung gut gefallen“, erinnert sich Florian. Das junge Paar griff also zu und machte sich schneller als erwartet an die Hausplanung.

Gemeinsamer Wunsch: ein Haus aus Holz

„Dass es ein Holzhaus wird, war von Anfang an fix“, erzählt Florian. Ausschlaggebend war für die beiden das angenehme Raumklima, das man in Holzhäusern findet. Und natürlich wirkt das Holz im Innenraum auch gemütlich und wohnlich – vor allem an der Holzbalkendecke erkennt man die Konstruktion in Holzständerbauweise. Von außen ist für den Laien nicht zu sehen, dass es sich um ein Holzhaus handelt, denn die Fassade wurde verputzt.

Eine Holztreppe führt ins Obergeschoss.

Die Holztreppe passt gut zur wohnlichen Atmosphäre im Haus. Foto: Karin Polz

Gebaut hat das Holz der Hersteller Wolf Haus in Osterhofen (Landkreis Deggendorf). Vier Angebote hatte das Paar eingeholt, bei Wolf überzeugte vor allem der beratenden Architekt – und das schon beim Erstkontakt. Denn der hatte nicht nur offene Ohren für die Wünsche der Bauherren, sondern auch noch einige Verbesserungsvorschläge, für die Sabina und Florian heute noch dankbar sind.

So wollten die beiden erst „so klein wie möglich“ bauen, um Kosten zu sparen. Doch Architekt Bernhard Denk erklärte ihnen die Vorzüge von zwei Vollgeschossen – und so wurden diese mit 150 Quadratmetern Wohnfläche umgesetzt. Auch die ans Haus anschließende Garage war die Idee des Architekten. Sabina hatte nämlich erst Bedenken, eine direkt anschließende Garage könnte von der Architektur des Hauses ablenken, doch dies konnte Bernhard Denk entkräften.

Alufensterläden muss man nicht streichen

Die markanten Fensterläden waren ebenfalls Thema von lohnenden Diskussionen: Sabina wollte immer schon welche, Florian scheute den Arbeitsaufwand – der Architekt riet zu Alufensterläden, die man nicht streichen braucht. Sabina wollte die Läden in Grün, das gefiel Florian aber nicht – so einigte man sich schließlich auf Rot. Das passt nun gut zu dem dunkelgrauen Rahmen der Holz-Alu-Fenster.

Die Haustür ist in rot gehalten.

Die Haustür passt natürlich farblich perfekt zu den roten Fensterläden. Foto: Karin Polz

Dass man beim Bauen viele Kompromisse schließen muss, ist normal. Dass man dabei aber so gute fachliche Beratung hat wie Sabina und Florian und dadurch zum Schluss sogar vieles verbessern kann, das ist der Idealfall. Tatsächlich sieht man an dem Beispiel, wie wichtig es ist, einen guten Architekten zu haben, mit dem man auf einer Wellenlänge liegt. Das gilt selbst dann, wenn man eigentlich glaubt, schon genau zu wissen, wie man bauen will.

Das traf bei Sabina und Florian vor allem auf das Wohndesign im Inneren des Hauses zu. Viele Wünsche waren vorher schon klar definiert: ein großes Bad, eine Ankleide, eine offene Küche mit einer Kochinsel, eine Schreinerküche, einheitliche natürlich wirkende Fliesen, ein Gästebad. Auch ihre Wünsche für den Garten hat das Paar, kaum ein Jahr nach dem Einzug, schon größenteils umgesetzt. Ein paar Dinge fehlen aber noch, ein Schwedenofen soll in den Wohnraum, vor der großen Holzterrasse ist ein Teich geplant, ein Carport soll aufgestellt werden.

Das Wichtigste ist aber schon erreicht: Sabina und Florian fühlen sich wohl. Nicht zuletzt, weil die Zeitlarner sie herzlich aufgenommen haben: „Und das, obwohl wir die einzigen ‚Zuagroasten‘ hier sind“, lacht Sabina.

Heizung überflüssig: Komfortabel wohnen im Passivhaus

Passivhaus Engler in Burghausen Außenansicht

Große Fensterflächen im Süden lassen viel Sonne ins Passivhaus − das und die gute Dämmung machen eine konventionelle Heizung überflüssig. Foto: Karin Polz

Nie Heizöl oder Pellets kaufen. Niemals schlechte Luft in den Wohnräumen. Keine Angst vor Schimmel haben müssen. Wer ein Passivhaus baut, kann diese Vorteile genießen, energiesparend und komfortabel wohnen. Nach den Zertifizierungskriterien des Passivhaus-Instituts Darmstadt darf ein Passivhaus einen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden − den Energiegehalt von etwa 1,5 Liter Heizöl − pro Quadratmeter pro Jahr nicht übersteigen. Das sind 90 Prozent weniger als bei einem herkömmlichen Gebäude im Bestand.

Es waren nicht nur die Energiekosten, die Nina und Johannes Engler aus Burghausen überzeugt haben, ein Passivhaus zu bauen. „Wir hatten das Grundstück reserviert und waren uns sicher, dass wir unsere Doppelhaushälfte in Holzbauweise bauen wollen. Von Manfred Gruber ließen wir uns dann von den Vorteilen des Passivhauses überzeugen“, erzählt Nina Engler.

Esszimmer und Küche im Passivhaus Enger

Offene Wohnräume, viel Licht und immer angenehm temperiert: Die Englers schwärmen von dem Raumklima. Foto: Nina Engler

Der Inhaber von Holzbau Gruber aus Kirchweidach wohnt selbst in einem Passivhaus, ist Mitglied im Passivhaus-Kreis Rosenheim-Traunstein und baut nach eigenen Angaben zu 90 bis 95 Prozent Passivhäuser. Das Haus der Englers ist auch für ihn ein besonderes: Es wurde vom Passivhaus-Institut zertifiziert und darf ein offizielles Siegel tragen. Das können nicht viele Häuser von sich behaupten − im Landkreis Altötting ist es ein einziges, im Landkreis Mühldorf und Bad Reichenhall gibt es gar kein zertifiziertes Passivhaus, im Landkreis Traunstein fünf Häuser und im Landkreis Rosenheim ebenfalls fünf. Dies war der Stand im Januar 2014 nach Angaben des Passivhaus-Instituts. Von insgesamt 25.000 Wohneinheiten im Passivhaus-Standard sind in Deutschland nur etwa zehn Prozent zertifiziert nach den Kriterien des Passivhaus-Instituts.

Vieles, was sich die Englers für ihr 139 Quadratmeter großes Zuhause gewünscht hatten, konnte mit der Passivhaus-Bauweise umgesetzt werden. Sie hatten sich ein Grundstück mit Ausrichtung nach Süden ausgesucht, so kann die Wärme der Sonne ausgenutzt werden − eine wichtige Voraussetzung. Große Fenster wünschte sich Nina Engler sowieso − dass es nun spezielle Passivhausfenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung und überdämmten Rahmen sind, die Sonnenstrahlen reinlassen, aber die Wärme nicht mehr rauslassen, kann ihr nur recht sein. Die Bodenplatte auf einer 40 Zentimeter dicken Schicht aus Glasschaumschotter und die  42 Zentimeter dicken Wände halten schön warm. Bau- und Dämmstoffe sind zudem fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen.

Zertifizierungsschild für Passivhaus Engler

Dass das Haus Engler ein zertifiziertes Passivhaus ist, beweist dieses Schild neben der Haustür. Foto: Karin Polz

Südausrichtung, Dämmung, keine Wärmebrücken − viel physikalisches Wissen, Berechnen und genaues Arbeiten sind für ein Passivhaus notwendig. Dazu kommt eine ausgeklügelte Technik: Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für frische Luft. Beim Austausch wird der verbrauchten Luft die Wärme entzogen und die frische Luft damit angewärmt. Weitere Heizleistung für Wohnräume und Warmwasser stellt ein Wärmepumpen-Kompaktgerät bereit. Es hat die Größe eines Gefrierschranks und die Leistung eines Haarföns. Der Betrieb kostet die Englers umgerechnet einen Euro Strom pro Tag. Da ansonsten keine Heizung benötigt wird, hat das Haus der Englers keinen Kamin −  das spart Kosten. Dafür haben sich die Englers eine Photovoltaikanlage geleistet. „Rein rechnerisch ist es sogar ein Plusenergiehaus“, freut sich Manfred Gruber.

„Ich empfehle allen Freunden, ein Passivhaus zu bauen“, sagt Nina Engler. „Es ist einfach das beste Raumklima; ich habe in den vergangenen 30 Jahren nie in einem besseren gewohnt.“ Vorurteile, wie dasjenige, dass man in einem Passivhaus nie die Fenster öffnen darf, entkräftet sie mit einem Lächeln: „Ich darf die Fenster öffnen, ich muss aber nicht.“

Tage des Passivhauses 2014

Wie lebt es sich in einem Passivhaus? Wer sich so ein Gebäude näher anschauen und mit Planern und Bewohnern sprechen möchte, kann die „Tage des Passivhauses“ nutzen. Von 7. bis 9. November 2014 öffnen viele Passivhäuser ihre Türen. Einen Überblick gibt es unter www.passivhausprojekte.de.

Dieser Text ist erstmals im Lokalteil Altötting der Passauer Neuen Presse vom 1. November 2014 erschienen.

Passgenaue Architektur fürs Hofgut Hafnerleiten

Das Langhaus am Wald im Hofgut Hafnerleiten

Ein hölzerner Steg führt zum Haus am Wald, einem von drei neuen Ferienhäusern des Hofguts Hafnerleiten. Foto: Karin Polz

Eine Badewanne im Dachgeschoss mit Blick auf den Sternenhimmel. Eine Hausbank, auf der man einfach nur sitzen und dem Rauschen des Waldes lauschen möchte. Ein Ausblick vom Esstisch über die Hügel des Rottals. Das Hofgut Hafnerleiten bei Bad Birnbach bietet Erholungssuchenden schon lange Zeit schönste Landschaft und vollkommene Ruhe. Zur Wohlfühlumgebung gehört immer stärker auch preisträchtige Architektur.

Im Hofgut Hafnerleiten können Erholungssuchende in kleinen Häuschen urlauben – die Gastgeber Erwin Rückerl und Anja Horn-Rückerl haben diese Urlaubsform allerdings schon angeboten, als sonst noch niemand an Chalets und Luxus-Hüttendörfer gedacht hat: übernachten im eigenen Themenhäuschen, das Frühstück wird vorbeigebracht, ein intimer Rückzugsort mit dem Service eines Hotels. Schon immer waren die Häuschen an die Landschaft angepasst – im kleinen Waldstück ein Baumhaus, ein Bootshaus am See mit Holzdeck, ein Hanghaus, das sich behaglich in die Erde schmiegt.

Sitzplatz vor der Essecke des Rottaler Langhauses

Ein Meer aus Bambus schirmt die Urlauber vom Nachbar-Langhaus ab. Die herausgeschobenen Kästen mit den Panoramafenstern bilden innen gemütliche Nischen. Foto: Karin Polz

Nun sind noch drei Ferienhäuser für längere Aufenthalte dazugekommen. Und auch bei ihnen wird der – meiner Meinung nach – entscheidende Grundsatz guter Architektur verwirklicht: Ein perfektes Haus muss perfekt zum Grundstück, zur Umgebung, zur Landschaft passen. Die drei Langhäuser tun das: Das Haus am See, das Haus am Feld und das Haus am Wald spielen ihre Vorzüge gerade in Verbindung mit ihrer Lage aus.

Charakteristisch für die Langhäuser sind ihre klare, schlichte Form, ihre dunkle Holzfassade und ihre Panoramafenster. Entworfen wurden sie vom Architekturbüro Format Elf aus Töging. „Unsere Vorgabe war: bewegte Häuser, die bewegen“, sagt Bauherr Erwin Rückerl. Was damit gemeint war? Konkretes eher nicht. Wichtig ist für ihn, was herausgekommen ist: Häuser, die fast zu schweben scheinen, weil ein Holzsteg als Zugang sie von der Landschaft abhebt. Bambus, der sich rund um die Häuser leicht im Wind wiegt. Fassadenfelder mit großen Fensterflächen und Nischen, die sich aus dem dunklen Haus rausschieben. Spiegelungen auf den Fenstern. Lamellen, die enthüllen, verbergen und Schatten werfen. Die Planung und Umsetzung hat auch die Bayerische Architektenkammer überzeugt, die die Rottaler Langhäuser für die Architektouren 2014 ausgewählt haben.

Terrasse eines Langhauses des Hofguts Hafnerleiten

Die Terrasse des "Hauses am Wald" liegt, wie der Name schon verrät, am Waldrand. Wer nicht nur auf Bäume schauen mag, kann den Blick auch übers Rottaler Hügelland schweifen lassen. Foto: Karin Polz

Dass die dunkle Holzfassade bestens in die Natur passt, davon musste Architekt Stefan Hanninger die Bauherren Anja Horn-Rückerl und Erwin Rückerl nicht lange überzeugen. Andere Ausstattungsmerkmale ergaben sich aus der Funktion: eine vollständige Küche, Infrarotkabinen in zwei der drei Häuser, ein zweiter Schlafplatz für Gäste, die lieber alleine schlafen, auch die Anordnung der Räume dem Sonnenlauf entsprechend.

Viel Holz, viel Ausblick, reduzierte Formen, gemütliche Nischen und jede Menge schöner Details: Die Langhäuser haben meiner Meinung nach alles, was gute Urlaubsarchitektur ausmacht. Tatsächlich sollte man in ihnen länger bleiben, um alles nutzen zu können, was sie so gemütlich macht. Und das ist sicherlich nicht nur die Badewanne im Obergeschoss mit Blick in den Himmel.

Komplett aus Holz, komplett CO2-neutral

Der Woodcube, ein Projekt der IBA in Hamburg.

Der fünfgeschossige Woodcube ist bis auf einen Betonkern komplett aus Holz gefertigt. Foto: Hendrik Schwartz

Ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus aus Holz – ja, das funktioniert! Seit einiger Zeit überbieten sich die Planer und Baufirmen darin, möglichst groß und hoch in Holzbauweise zu bauen. Bei der Internationalen Bauausstellung in Hamburg (IBA) war so ein Haus zu sehen – und steht natürlich im Stadtteil Wilhelmburg-Mitte auch weiterhin, nur dass die IBA mittlerweile beendet ist.

900 Quadratmeter Wohnfläche wurden in nur fünf Wochen Bauzeit errichtet – das darf schon mal als Pluspunkt für das Haus namens Woodcube zählen. Dazu kommen nachhaltige Aspekte: Holz als Baumaterial ohne fremdstoffliche Dämmung oder Plastikfolien, ohne Holzschutzmittel oder Bauchemie, Buchenholzdübel statt Leim, bei der Erstellung und im Betrieb CO2-neutral, komplett biologisch recycelbar – mit diesen Eckdaten erweckt der Woodcube Aufmerksamkeit.

Nahaufnahme Woodcube bei der IBA in Hamburg

Sogar die Bodenplatten der Balkone bestehen aus Holz. Foto: Hendrik Schwartz

Ein Betonkern für Treppe und Aufzug ist der einzige Teil des Hauses, der nicht aus Holz besteht. Ansonsten hat das Haus zum Beispiel massive Decken aus unverleimtem, reinem Vollholz. Die Dämmung – und Statik – übernehmen 32 Zentimeter (oder 40 Zentimeter – da sind sich die Beschreibungen auf der Internetseite der IBA nicht einig) dicke Massivholzwände. Die Fassade altert auf natürliche Weise, weil sie unbehandelt ist. Selbst die Balkonplatten sind aus Holz. Und auch drinnen ist das Holz weitestgehend sichtbar – in Decken, Wänden und Böden. Wandaufbau, Nachhaltigkeitskonzept und vieles mehr hat der Bauherr, die Woodcube Hamburg GmbH, auf seinen Internetseiten zusammengetragen.

Unbehandelte Holzfassade des Woodcube bei der IBA in Hamburg

Die Fassade besteht aus unbehandeltem Holz, und auch sonst kommt der Woodcube ohne Bauchemie aus. Foto: Hendrik Schwartz

Die insgesamt acht Eigentumswohnungen sind zwischen 79 und 185 Quadratmeter groß. Sparen können die Bewohner bei den Energiekosten: Der Energiestandard von Woodcube sei mit einem Passivhaus vergleichbar, vermerkt die IBA in ihren Informationen. Tatsächlich sind die Werte niedrig: Die Verbrauchswerte lagen im Jahr 2013 bei durchschnittlich 10kw/h.

30 Beispiele fürs Bauen mit Holz

Haus der Hiendl Schineis Architektengemeinschaft im Landkreis Deggendorf.

Die dunkle Fassade des Hauses verschmilzt fast mit der Landschaft. Foto: Anna Höber

Immer noch bauen in meinem Bekanntenkreis mehr Menschen mit Ziegel als mit Holz. Schade, denn Holz ist meiner Meinung nach das schönere Baumaterial. Das zeigt aktuell auch das Buch „Die besten Einfamilienhäuser aus Holz“ (ISBN 978-3-7667-1995-9) aus dem Callwey-Verlag. Insgesamt 30 Bauprojekte werden vorgestellt – vom fünfeckigen Ferienhaus, das mit schwarz gebeizten Tannenschindeln verkleidet ist, bis zum Siedlungshaus, das von außen verputzt ist, aber zeigt, dass man in Holzständerbauweise auch vier Geschosse hoch bauen kann. Einige Bilder der vorgestellten Einfamilenhäuser gibt es bei Callwey.

Holzhaus im Landkreis Deggendorf, geplant von Hiendl Schineis Architektengemeinschaft.

Die Glasflächen sind wegen des Hangs zwangsläufig nach Norden gerichtet. Foto: Anna Höber

Besonders habe ich mich aber gefreut, dass in dem Buch ein niederbayerisches Projekt zu finden ist, das unsere Mitarbeiterin Anna Höber auch schon in der Passauer Neuen Presse vorgestellt hat. Es handelt sich um einen Entwurf der Hiendl Schineis Architektenpartnerschaft aus Passau. Architekt Stefan Hiendl hat mit dem Bauherren zusammen ein besonders schwierig zu bebauendes Hanggrundstück ausgewählt, das aber einen wunderbaren Blick über einen See bietet.

Die großen Glasflächen richten sich aufgrund der Grundstückslage zwar nach Norden, aber die beiden hintereinander im Hang gestaffelten Geschosse bekommen dennoch genug Licht. Schwarzes Holz bildet die Fassade ‒ und verschwindet fast vollkommen in der Landschaft. Wie das Haus eine Einheit mit dem Hang bildet, gefällt mir sehr gut.

Mir persönlich wäre es ein bisschen zu viel, dass auch innen das Haus komplett mit unbehandeltem Lärchenholz verkleidet ist ‒ Böden, Decke und die Innenflächen der Außenwände. Die Raumaufteilung dagegen finde ich sehr spannend: Schon an der Skizze im Buch sieht man, dass die konventionellen Vorstellungen hier keine Rolle gespielt haben. Überflüssiges fehlt, dafür wird da gewohnt, wo die schönsten Blicke locken.

Willkommen im „Haus Polz“ (2)

Die Hausführung geht weiter: Wie versprochen, dürft ihr auch einen Blick in die oberen Stockwerke werfen. Hier entlang!

Architektur in Norwegens Natur

Zwei Häuschen des Hotel Juvet in Norwegen

Die Häuschen des Hotels Juvet stehen mitten in der Natur.

Manchmal versteckt sich interessante Architektur dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Zum Beispiel zwischen Birken, Espen, Kiefern, Felsen und einem Fluss in Norwegen, zwischen den Touristenmagneten Geirangerfjord und Trollstigen. Ursprünglich stand in einer einsamen Gegend irgendwo an dieser Landstraße ein Bauernhof – und einige Gebäudeteile des Hofes stehen immer noch. Doch dort, wo früher nur Wildnis war, sind heute Hotelzimmer – sehr ungewöhnliche allerdings. Sie gehören zum Hotel Juvet, das sich als „erstes Landschaftshotel Europas“ bezeichnet.

Ausblick vom Spa des Hotels Juvet

Nicht nur die sieben Häuschen, auch der Spa-Bereich, hier links die Terrasse, bietet wunderbare Ausblicke auf die norwegische Landschaft.

Sieben moderne Häuschen aus Holz verteilen sich mitten in der Natur. Das Besondere: Jedes Häuschen ist innen wie außen minimalistisch gestaltet, im Mittelpunkt steht jeweils der Ausblick. Wer in das Häuschen tritt, steht mitten in dem Zimmer, das viel freien Raum und wenig Möbel bietet. Doch darauf achtet sowieso niemand, denn eine Wand pro Haus, teils sogar zwei, sind aus Glas. Und weil Wände, Böden und Einrichtung in ganz dunklen Farben gehalten sind, schweift der Blick natürlich sofort zum Panorama, das es in sich hat – etwas anderes ist mitten in der norwegischen Natur auch kaum zu erwarten.

Ausblick aus einen Häuschen des Hotel Juvet

Weil das Zimmer in dunklen Farben gehalten ist, tritt der Ausblick in den Vordergrund.

Ich durfte eine Nacht in dem Häuschen verbringen, das direkt über dem Fluss Valldøla liegt. Und ich bin lange einfach nur dagesessen und habe aus dem Fenster, auf den Fluss, auf den Wald geschaut. Denn natürlich kommt man als Tourist wegen der Landschaft nach Norwegen. Und genau diese bekommt man hier wie auf einer Kinoleinwand geboten. Auch vom Bett aus, das in einer Zimmernische eingepasst ist, blickt man durch die Glaswand nach draußen. Jedes Haus hat eine andere Ausrichtung, ein anderes Panorama, und jedes Haus steht für sich alleine. Und jedes ist nur für zwei Personen konzipiert – wie ein Hotelzimmer, nicht wie ein Ferienhaus.

Kurt Slinning ist der Hotelier, der die Häuschen vermietet. Und dennoch sind Touristen, die nur eine Schlafstätte suchen, bei ihm an der falschen Stelle: „Wir verkaufen hier mehr als nur ein Zimmer“, sagt Slinning. Ihm geht es um die Philosophie, die hinter den Entwürfen der Architekten von Jensen & Skodvin aus Oslo steckt.

Alter Kuhstall des Hotel Juvet

Im ehemaligen Kuhstall des Hofes befinden sich heute Restaurant und Rezeption des Hotels.

Die Macht der Natur, Einsamkeit, Ruhe, Zurückgezogenheit, dafür steht Juvet. Das sollten die Urlauber auch zu schätzen wissen. Treffen können sich die Hotelgäste aber zum Beispiel im Spa-Häuschen, das ebenfalls mit Fluss-Blick aufwartet. Und gegessen wird zusammen  im Kuhstall des alten Bauernhofes. Knut Slinning kennt den Hof von früher, sein eigenes Sommerhaus liegt gegenüber. Als die Hauptstraße dazwischen zu einer der norwegischen Landschaftsrouten ernannt wurde und der Bauer seinen Hof zum Kauf anbot, entstand die Idee mit den Häuschen. „Wir arbeiten mit denselben Ressourcen wie früher die Bauern“, sagt Knut Slinning.

Das Hotel wurde 2012 mit dem Architekturpreis Houens Fonds Diplom ausgezeichnet. Dieser gilt als der älteste und renommierteste Architekturpreis in Norwegen. Er wird vom Kultusministerium verliehen an Projekte, die der Verband der norwegischen Architekten nominiert hat.

Wer bei seinem nächsten Norwegenurlaub eine Nacht in preisgekrönter norwegischer Architektur verbringen will, kann das für etwa 185 Euro pro Nacht und Person machen: Juvet Landskapshotell, 6210 Valldal, Telefon: 0047/95032010, www.juvet.com.